Archiv für die Kategorie ‘NETZ.KOMMENTAR‘

#aufschrei

Publiziert am 29.01.2013 von Lydia Meyer

oder: Was machen eigentlich die Mainstream-Medien aus einer Debatte, die längst überfällig ist? 

Spätestens gestern haben es auch diejenigen mitbekommen, die sich die Tagesschau nur ansehen, weil sie kurz vor dem Tatort läuft: Deutschland hat ein Sexismus-Problem. Und rausgekommen ist das über Twitter. Unter dem Hashtag #aufschrei  begann @marthadear vergangenen Freitag ihren Aufruf, alltägliche Erfahrungen mit Sexismus und sexueller Belästigung zu twittern. Seitdem ist die Liste ganz schön lang geworden. Und damit auch für den Mainstream interessant.

#aufschrei in echtzeit

#aufschrei in echtzeit

Zehntausende Tweets waren nötig, damit auch die Medienwelt versteht, was für so viele allgegenwärtig ist: Sexismus und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, in der Schule, im Club, auf dem Weg nach Hause. Es folgten hochaktuelle Fernsehsendungen mit fragwürdigen Gästen, tausend verschiedene Zeitungsartikel in tausend verschiedenen Zeitungen und tausend verschiedene Menschen, die plötzlich eine Meinung hatten.

Vor ein paar Tagen stand #aufschrei noch wie ein Gruselkabinett aus unangenehmen Situationen da. In Kurzform hat die Flut aus erschreckenden Geschichten einen im Twitter-Feed einfach so umgewälzt. In 140 Zeichen wurde da zusammengefasst, was eigentlich alltäglich so passiert. Und gerade die unkommentierten, kurzen Situationsbeschreibungen gingen ordentlich rein in den Magen.

Dann wälzen das Thema die ganzen Großen, ein Jauch macht sich zum Kasper, und alle tun, als wär’s was neues.Plötzlich haben alle was dazu zu sagen. Und mischen sich in die Debatte ein. Hashtag: #aufschrei. Und der Feed sieht heute anders aus: Was sich heute dort liest, ist zum größten Teil Spott und unqualifiziertes Gerede von Menschen, die scheinbar gar nicht verstehen wollen, dass es sich hierbei nicht um eine “Wer-ist-jetzt-eigentlich-besser-Mann-oder-Frau?”-Debatte handelt. Was vergangenen Freitag noch seine Stärke war, ist heute Twitters Schwäche: Alle machen mit.

Nach einer halben Stunde Lesen habe ich Bauchweh, gehe in die Küche. Und als ich da so am Küchentisch sitze und diskutiere, was ein FDP-Politiker mit Twitter und Mainstream-Medien mit Diskussionsverlauf zu tun haben, verweise ich auf das zugehörige Blog. Und da fragt der Mitbewohner: “Findste das nicht ‘n bisschen übertrieben?”

#aufschrei

 

 

Kategorien: NETZ.KOMMENTAR

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Netzkommentar: “Die Bedeutung des Internet ist auch im Mainstream angekommen!”

Publiziert am 16.12.2011 von Lydia Meyer

Bundestrojaner,  Stuttgart21 und Vorratsdatenspeicherung, die Guttenberg-Affäre und dazugehörige Aktionen bei Facebook haben es gezeigt: Die Bedeutung des Netzes ist 2011 auch auf den Titelseiten der ganz großen Magazine angekommen. Der erste Teil des netzpolitischen Jahresrückblicks von Markus Beckedahl, Chefredakteur von netzpolitik.org, hat nationale Netzpolitik zum Thema, bevor es in der nächsten Woche international wird. Das Skript findet sich unten.

Screenshot von "Don Justo is Don Justo is Don Justo (versie Nederlands Online Filmfestival, NOFF / NFF)" von weiter lesen

Kategorien: Allgemein, NETZ.KOMMENTAR, Netzpolitik

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Überwachung in Europa

Publiziert am 17.10.2011 von Lydia Meyer

Hier der Crosspost des letzten Netzkommentars auf DRadio Wissen:

Nach der Staatstrojanerdebatte in Deutschland. Wie gehen unsere Nachbarn mit dem Thema Überwachung um?

In Deutschland dominierte ein Thema die netzpolitische Debatte der letzten Tage: der Staatstrojaner. Ist er nun stümperhaft programmiert oder gar verfassungswidrig? Was soll er laut Gericht ausspähen können? Und was kann er tatsächlich ausspähen?

Die Diskussion über die Zulässigkeit derartiger Überwachungsinstrumente ist heftig. Der Disput darüber hat längst die Bundesregierung erreicht. Aber wie gehen unsere europäischen Nachbarn mit dem Thema Überwachung um? Das fragt Lars Mensel, Redakteur des Debattenportals The European in seinem Gastkommentar.

Hier geht’s zum Skript zur Sendung.

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Kategorien: Allgemein, NETZ.KOMMENTAR

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Netzkommentar: Die Eurokrise in den europäischen Blogs

Publiziert am 26.09.2011 von netzreporter

Warum ein Blick in Europas Blogs in Zeiten der Krise wichtig ist. Crosspost von DRadioWissen.
 

Die Debatte nimmt täglich an Fahrt auf. Ratingagenturen werten den Bonitätsstatus von Ländern und Banken ab, europäische Regierungen diskutieren über Lösungsmodelle und in diversen EU-Ländern nutzen Parteien die Auseinandersetzung zur Profilierung.

Wie ein 10-Euro-Schein in einer Erdspalte verschwindet.

Der Streit wird lauter. Europaweit. Auch in den konventionellen Medien haben sich längst ideologische Lager gebildet. Deshalb lohnt der Blick in die europäischen Blogs mehr denn je. Das zumindest meint Lars Mensel, leitender Redakteur  des Debattenportals TheEuropean in seinem Gastkommentar.

Dieser Kommentar bildet den Auftakt einer Kooperation zwischen DRadio Wissen und TheEuropean. Das Skript gibt es wie immer unten.

Weitere Links und Informationen des NETZ.REPORTERS bei Facebook und Twitter.

Foto: flickr.com | alltagskunst CC BY-NC-SA 2.0

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Kategorien: NETZ.KOMMENTAR

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Netzkommentar: Ein Todesstern namens Yahoo

Publiziert am 09.09.2011 von netzreporter

Der Netzkommentar kommt in dieser Woche von Mario Sixtus, dem Macher des Elektrischen Reporters. Er beschäftigt sich mit dem prognostizierten Niedergang von Flickr, den der amerikanische Fotograf Thomas Hawk unlängt prophezeit hatte (er hat übrigens selbst über 60.000 Bilder auf Flickr). Hier gibt’s das Crossposting von DRadio Wissen. Unten das Skript. Audio kommt direkt nach der Erstausstrahlung.

Wie der Netzkonzern Yahoo Internetdienste wie Flickr systematisch ruiniert

Das Internet lebt von Ideen, die junge Start-Ups in der digitalen Welt etablieren. In vielen Fällen werden diese Ideen dann von den großen Netzkonzernen aufgekauft, um weiter professionalisiert und im Glücksfalls profitabel gemacht zu werden. Aber es gibt auch die Gegenstartegie. Den systematischen Ruin vielversprechender Dienste. Der seit Jahren wankende Onlineriese Yahoo ist das beste Beispiel. Dienste wie Delicious oder Flickr stehen dank Yahoo mittlerweile vor dem Abgrund. Wie eine Art Todesstern irrlichtert der vermeintliche Netzgigant Yahoo durch das Internet und hinterlässt eine Spur der Ideen- und Kapitalvernichtung. Das jedenfalls meint Mario Sixtus, unter anderem Macher des Elektrischen Reporters, in seinem Netzkommentar. Aber es gibt auch Hoffnung.

 

Skript:

Im Internet ist eine Art Todesstern unterwegs. Er saugt einen coolen
Web-Service nach dem anderen in sich auf und verwandelt sie alle in
etwas Uncooles und Langweiliges. Die Rede ist von Yahoo.

Ließe man Yahoo nur lange genug weiter machen, hätten es irgendwann
das ganze Web in etwas transformiert, das ungefähr so aufregend ist
wie das Katasteramt von Reutlingen, so erfrischend wie ein fußwarmer
Kamilletee.

Ließe man Yahoo nur lange genug weiter machen, das Internet würde nach
Resopalmöbeln riechen, nach beigefarbenen Kunststoffoberhemden und
nach abgestandener Milch. Yahoo ist die Web-gewordene Provinz, das Bad
Segeberg unter den Internet-Konzernen, eine Art König Midas der Ödnis,
der alles was er berührt in pure Langeweile verwandelt.

Ließe man Yahoo nur lange genug weiter machen, das Internet würde
irgendwann niemanden mehr interessieren, und wahrscheinlich würde es
tagelang gar nicht auffallen, wenn man es abschaltete.

Nehmen wir nur mal den Foto-Dienst Flickr. Flickr war einmal der Ort,
an dem Menschen zusammen kamen um sich ihre Fotos zu zeigen. Der
Netz-Journalist Doc Searls bescheinigte Flickr im Januar 2005, die
Welt der Fotografie stärker verändert zu haben, als Kodak mit der
Erfindung des Rollfilms. Flickr vibrierte damals vor Lebendigkeit, es
herrschte eine Goldgräberstimmung, bei der es nicht um Gold oder Geld
ging sondern um schöne Bilder. Doch das Unheil lies nicht lange auf
sich warten: Im März 2005 kaufte Yahoo das damals quietschlebendige
Start-Up und machte sich borgdrohnenartig daran, es zu assimilieren.
Flickr wurde zu einem Teil der Yahoo-Tristesse und versank in tiefen
Schlummer.

Sechs Jahre später haben Smartphones und mobile Fotodienste im Web die
Welt der Fotografie einmal mehr revolutioniert. Plattformen wie
Instagram oder Twitpic haben diese Welle früh genug kommen sehen und
surfen sie jetzt genüsslich. Selbst das erst halbfertige Google plus
bietet hübsche, zeitgemäße Fotogalerien, während Flickr im Großen und
Ganzen immer noch so aussieht, als sei Gerhard Schröder noch Kanzler,
der Internet-Explorer 6 der neueste Browser und HTML5 noch weit weg in
der Zukunft.

Manchmal, wenn ich aus Nostalgie auf Flickr unterwegs bin, ertappe ich
mich dabei, auf digitale Tumbleweeds zu warten, die zwischen den Fotos
hindurchwehen.

Ähnlich wie Flickr ging es dem Bookmark-Dienst Deliicious und etlichen
anderen einstmals vielversprechenden Start-Ups: Sie alle wurden von
Yahoo assimiliert, domestiziert, kastriert und zu einem Stück
Eintönigkeit transformiert.

Doch es gibt Hoffnung: Dem Todesstern Yahoo geht es nämlich gar nicht
gut. Börsenkurs, Umsätze und Reichweite geben seit Jahren hilflos der
Schwerkraft nach. Erst vorgestern feuerte der Yahoo-Aufsichtsrat die
Chefin Carol Bartz, was wohl auch nicht mehr viel nützen wird.

Gut möglich, dass Yahoo bald ganz aus dem Web verschwindet. Und genau
so gut ist möglich, dass wir das tagelang gar nicht merken werden.

Kategorien: Minifeuilleton, NETZ.KOMMENTAR, Social Media

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Netzkommentar – Googlerola und die wirschaftlichen Konsequenzen

Publiziert am 22.08.2011 von netzreporter

Google und Motorola: Neben dem laufenden Patentkrieg geht es vor allem um 18.000 Arbeitsplätze.

Zu Beginn der Woche war es die Breaking-News in der Digitalszene. Google kauft Motorola Mobility. Sofort ging es reflexartig um die Frage, wie das Smartphone der Zukunft aussehen würde, wenn der Netz- und Softwareriese Google den Handyhersteller Motorola schluckt. Die Debatte um die Zukunft der Softwareökosysteme stand im Vordergrund.

Nach kurzer Besinnung war dann aber klar, dass es nicht nur um Marktanteile in der Zukunft geht, sondern vor allem um Abwehrkämpfe in der Gegenwart. Die laufenden Patentkriege geben darüber umfangreich Auskunft. Überraschend aber ist die Tatsache, dass kaum jemand die kollidierenden Unternehmenskulturen und die Konsequenzen für die 18.000 Motorolamitarbeiter anspricht. Das jedenfalls meint Thomas Knüwer, Blogger, Netzexperte und Chefredakteur der WIRED Deutschland im wöchentlichen Netzkommentar.

Crosspost von DRadioWissen. Dort am 19. 08. 2011 erschienen.

Skript gibt’s unten. Audio hier als MP3.

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Kategorien: NETZ.KOMMENTAR, Technik

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Oslo, die politischen Scharfmacher in Deutschland und die Meinungspolizei

Publiziert am 28.07.2011 von netzreporter

In seinem Gastkommentar beim NETZ.REPORTER auf DRadio Wissen beschäftigt sich Ole Reißmann, Netzwelt-Redakteur bei Spiegel Online, mit den populistischen Forderungen nach einer Meinungspolizei.
Hier Crosspost und Manuskript des Stücks, das morgen läuft. MP3 folgt morgen.
Onlinetext auf DRadioWissen: Das Attentat von Oslo und Utöya ist gerade mal eine Woche her, da hat sich die Debatte schon mehrfach gewendet. Nach anfänglichen Reflexen, die sofort islamistische Attentäter vermuteten, wurde schnell klar, dass es sich um einen rechtsradikaler Täter handelte. Im Internet hatte er im Zuge seiner entsetzlichen Taten ein so genanntes Manifest veröffentlicht. Für einige Politiker in Deutschland war das ganz offenbar eine willkommene Gelegenheit, ebenfalls reflexhaft nach schärferen Maßnahmen zu verlangen. Insbesondere das Internet ist aus ihrer Sicht stärker zu überwachen.

Manuskript:

Für mehr Offenheit, mehr Demokratie und mehr Menschlichkeit hat sich der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg nach dem Doppelanschlag in seinem Land ausgesprochen.
In Deutschland hingegen nutzen Politiker und Internet-Angstmacher die Tragödie für ihre Zwecke: Sie wollen ihre Ideen zur Internet-Überwachung wieder auf die Agenda setzen.
So fordert die Gewerkschaft der Polizei eine Liste “auffälliger Personen”. Wer “in Blogs und Foren” mit “kruden Gedanken” auffällt, soll registriert und identifiziert werden. Offenbar geht es dabei um Personen, die noch keine Straftat begangen haben.
Was aber gilt als auffällig? Reicht ein zynischer Kommentar auf Facebook? Eine abweichende politische Meinung? Wer hat Zugriff auf eine solche Datei und was bedeutet es, wenn man darin steht? Die Idee einer Warndatei ist offenkundig ein Schnellschuss.
Denn es ist in unserer Demokratie klar definiert, was eine Straftat ist. Im Zweifelsfall entscheidet ein Gericht darüber. Warndateien mit diffusen Kriterien sind das Gegenteil von Offenheit und Demokratie.
Auch der Internet-Alarmknopf, wie ihn der Bund Deutscher Kriminalbeamter seit Jahren für jeden Internenutzer verlangt, wird nun wieder eingefordert. Per Knopfdruck soll man Websites “einfrieren” und an die Polizei “weiterleiten” können.
Nun – Internet-Meldestellen, bei denen man Websites anschwärzen kann, gibt es längst. Und sie helfen ohnehin nur gegen illegale Anbote: Hass-Seiten, wie sie vom Oslo-Attentäter in seinem Manifest zitiert werden, sind aber oft legal. Die Meinungsfreiheit schützt auch Rechtsextreme und Islamhasser, solange sie sich an Gesetze halten.
Es wären also neue Gesetze nötig, eine Meinungspolizei, die hasserfüllte Texte aus dem Netz löscht. Einen solch weitreichenden Eingriff können selbst die Scharfmacher nicht ernsthaft befürworten.
Doch damit nicht genug. Der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl verlangt nun wieder einmal mehr die wiedereinführung der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung.
Ganz richtig: Ein Täter begeht in Norwegen einen Massenmord, und ein Unionspolitiker will alle Menschen in Deutschland unter Generalverdacht stellen, ihre Kommunikationsdaten sechs Monate lang abspeichern: Wer hat mit wem (und von wo aus) telefoniert oder eine SMS geschrieben, wann war jemand im Internet, wem hat er eine E-Mail geschrieben.
Die Antwort des CSU-Manns auf die Tragödie lautet also: weniger Freiheit. Das wäre allerdings fatal.

Kategorien: Allgemein, NETZ.KOMMENTAR

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Der große Massenhack – Von der Netzguerilla zum politischen Aktivismus des 21. Jahrhunderts

Publiziert am 14.07.2011 von netzreporter

Unser Netzkommentar der Woche. Thema: Der große Massenhack. These: Aktivismus wandert immer mehr ins Internet – und das lässt Politik wie Institutionen aus der Wirtschaft erzittern. Autor in dieser Woche ist Ben Schwan. Netzjournalist u.a. für taz.de, heise.de u.v.a.

Der letzte Akt ist gerade ein paar Tage alt. Tausende Passwörter aus einem militärisch sensiblen Bereich wurden entführt. Anonymous spottet. Die Verantwortlichen sind empört. Aber wie sind sie nun zu sehen. Die Hacker vom Kollektiv Anonymous? Onlinehooligans? Digitale Guerilla oder tatsächlich die politischen Aktivisten des 21. Jahrhunderts? Hier schon einmal vorab das Crosspost und das Skript des Stücks, das morgen früh auf DRadioWissen läuft. Das MP3 kommt dann nach der Erstausstrahlung. Ist angekommen.

Es hackt gerade gewaltig im Internet. Gruppen wie Anonymous, Lulzsec oder die NN-Crew sind weltweit in den Schlagzeilen, knacken Server bekannter Institutionen der Wirtschaft, machen Computer von Behörden auf, überwinden Firewalls und Sicherheitsvorkehrungen. Sie veröffentlichen geheime Daten und führen politisch motivierte Online-Demonstrationen durch.

Für die politische Klasse und die betroffenen Firmen hat diese Form des digitalen Aktivismus eine neue Qualität, die Angst macht. Die Hacker wiederum trauen sich mittlerweile Dinge, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar waren. Das tun sie auch, weil bei der Sicherheit fast überall geschlampt wird, wie sich nun zeigt. Technische Hürden lassen sich viel leichter überwinden, als bislang angenommen.

Alles begann in diesem Jahr mit dem Hackangriff auf Sony im Frühjahr, bei dem fast 80 Millionen Kundendatensätze entwendet wurden. Die Attacke war eine Reaktion auf das Vorgehen des japanischen Konzerns gegen Bastler, die die Playstation-Konsole geknackt hatten. Die Aktion kostete Sony viele Millionen.

Dann kam Lulzsec, eine lose zusammengesetzte Gruppierung, die 50 Tage lang eine Website nach der anderen knackte. Dem US-Sender NPR jubelte Lulzsec gefälschte Meldungen unter, das FBI wurde gehackt. Porno-Websites entführte die Truppe Nutzernamen und veröffentlichte sie im Web. Anarchie im Netz, alles für die Lulz, also den Spaß, wie die Hacker sagen. Parallel nahm sich die bereits bekannte Aktivistengruppe Anonymous Regierungsserver vor und knackte die Rechner von Sicherheitsberatern. In Deutschland sorgte zuletzt die Gruppe NN-Crew für Wirbel, als sie in Server der Bundespolizei eindrang und Daten von Überwachungsmaßnahmen veröffentlichte.

Was die Aktionen vor allem zeigen, ist die Tatsache, dass sich das Netz mittlerweile zu wehren versteht. Das Verlangen der Politik, das Internet mit Maßnahmen wie der Vorratsdatenspeicherung zum Polizeistaat umzufunktionieren, trifft auf Widerstand. Allerdings dürften die gleichen Politiker solche Vorfälle nun dazu nutzen, die gesetzgeberische Schraube anzuziehen.

Vielleicht wäre es deswegen angebracht, ein Internet-Demonstrationsrecht einzuführen. So unverantwortlich manche der Aktionen auf den ersten Blick auch wirken: Wir erleben gerade die Geburtswehen einer digitalen Demokratie

Kategorien: NETZ.KOMMENTAR, Netzpolitik, Technik

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Netzkommentar: Googles mächtiges Instrument

Publiziert am 07.07.2011 von netzreporter

Und hier das Skript und das Crosspost des Netzkommentars von Christiane Schulzki-Haddouti.

Crosspost (zuerst erschienen auf www.dradiowissen.de.

Wie der Suchmaschinengigant seine zahlreiche Funktionen bei Google Plus zu einem mächtigen Instrument vereint.

Über eine Woche ist das neue Netzwerk des Internetriesen Google bereits zugänglich. Dennoch bleibt die Euphorie in der Netzszene ungebrochen. Auch Konkurrent Facebook sah sich genötigt schnell zu reagieren und stellte in dieser Woche seinen neuen Videochat vor, der In Kooperation mit Kommunikationsdienst Skype realisiert wird. Anfangs betrachteten zahlreiche Experten das neue Googlenetzwerk als Facebook-Klon, der über einige weitergehende Features verfügt. Mittlerweile allerdings wird klar, dass Google ein mächtiges Instrument entwickelt hat, das etliche Googlediensteintegriert. Damit dürfte Googles Position auf Dauer gestärkt werden. Das jedenfalls meint Christiane Schulzki-Haddouti in ihrem Netzkommentar.

Skript:

Google bündelt seine Kräfte

Google wurde immer nachgesagt, es könne mit Algorithmen gut umgehen. Der Umgang mit menschlicher Kommunikation gelinge anderen aber besser. Beispiel Facebook. Google+ ist nun für Google mehr als nur ein Experiment, menschliche Kommunikation zu ermöglichen.
Google Buzz zum Beispiel erhielt nie so großen Zulauf wie Twitter – kann aber dasselbe: den Nachrichtenströmen anderer Menschen folgen. Buzz ist nun Bestandteil von Google+ – außerdem können Nutzer bestimmten Themenkreisen folgen. Google hat damit einen sozial bewerteten Nachrichtendienst entwickelt, in dem Nutzer verschiedene Themenstränge bewerten und kommentieren können.
Google bündelt außerdem Dienste, die bislang wenig Zuspruch hatten, zu einem sinnvollen Informationsfluss: Android-Nutzer können mit ihrem Handy Bilder aufnehmen und in Google+ veröffentlichen. Die Bilder werden automatisch in Picasa-Bilderalben abgelegt. Drei zuvor getrennte Dienste werden damit sinnvoll miteinander verbunden. Mit dem Nachrichtenaustausch über das mobile Google+ bietet Google zudem eine alternative SMS-Funktion, mit der Nutzer nicht nur einen, sondern viele Kontakte auf einmal erreichen können. Für die Koordinierung und Mobilisierung von Gruppen ist das ein mächtiges Werkzeug.
Google führte außerdem einen „+1“-Button ein, mit dem Nutzer Nachrichten bewerten können. Mittelfristig wird dieser Button auch zur Bewertung von Suchergebnissen in Googles Suchmaschine herangezogen werden. Die Algorithmen der Suchmaschine können damit auch auf persönliche Empfehlungen zurückgreifen.
Aber auch den Telefoniemarkt mischt Google weiter auf: Seit bietet Google Jahren bereits eine Videochat-Funktion über seinen E-Mail-Dienst an. Jetzt können über Google + bis zu zehn Nutzern  gleichzeitig Videochats führen – für Unternehmen und Organisationen ist das im Moment die günstigste Art Telefonkonferenzen abzuhalten. Dabei greift Google anders als Facebook auf die eigene Technik zurück. Facebook musste erst eine Kooperation mit Skype eingehen, um ähnliches anbieten zu können.
Google hat noch einiges mehr in petto, mit dem es seine Dienste verbessern kann. Hunderte von Entwicklern setzte Google-Chef Larry Page auf das Projekt an. Zahlreiche, bislang nur am Rande genutzte Dienste werden jetzt gebündelt, um neue Schlagkraft im sozialen Netz zu gewinnen. Andere Dienste dürften sich schwer tun, etwas Ähnliches in absehbarer Zeit auf die Beine zu stellen. Google ist jedenfalls im sozialen Web angekommen – und für den Wettbewerb mit Facebook, Twitter, Skype und anderen Playern bestens gerüstet.

Kategorien: NETZ.KOMMENTAR, Netzpolitik, Social Media

Verstehen Sie Spaß? Der Netzkommentar zum Hackerhype

Publiziert am 17.06.2011 von netzreporter

Der Hackerhype im Netz und seine politische Bedeutung. Ein Netzkommentar von Christiane Schulzki-Haddouti. Hier der Crosspost von DradioWissen.

Ein "Hack" ist eine kreative Lösung für ein Problem - Manche Sachen funktionieren aber auch einfach. (B_Zedan | flickr | cc by-nc-sa 2.0)

Ein "Hack" ist eine kreative Lösung für ein Problem - Manche Sachen funktionieren aber auch einfach. (B_Zedan | flickr | cc by-nc-sa 2.0)

Der Cyberwar ist omnipräsent. Der Hacker Staatsfeind Nummer 1. Diesen Eindruck gewinnt, wer die Reaktionen auf die Eröffnung des deutschen Cyberabwehrzentrums in dieser Woche registriert. Doch scheint es neben einer großen Begriffsunschärfe, um was es sich bei einem Hacker genau handelt – ein privater Tüftler, der Technologie neu interpretiert und durch sogenanntes Re-Engeneering weiterentwickelt oder Handlanger der organisierten Verbrechens, für das er im Netz als Krimineller Daten stiehlt oder gar ein Cyberterrorist, der staatliche Infrastrukturen lahm legen will? – auch eine bewusste Verwechselung von Spaßguerilla und Staatsguerilla im Netz zu geben. Das jedenfalls meint Christiane Schulzki-Haddouti in ihrem Netzkommentar.

Das Skript gibt’s unten. weiter lesen

Kategorien: NETZ.KOMMENTAR, Netzpolitik

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