Das “Selfie” wurde kürzlich vom Oxford English Dictionary zum Wort des Jahres gekürt – und es polarisiert. US-Präsidenten, Polizisten, Body Builder – sie alle schießen Selbstporträts mit ihren Smartphones – auf Trauerfeiern, bei der Arbeit, im Fitness-Studio oder kurz nach dem Aufstehen.  Sind die schnellen Selbstporträts aus dem Smartphone Ausdruck eines traurigen Narzissmus oder ein Schritt auf dem Weg zur Ermächtigung? Tobias Lenartz steht dem Selfie eher negativ gegenüber.

Auch Astronauten machen Selfies, wie hier Aki Hoshide (dpa)

Auch Astronauten machen Selfies, wie hier Aki Hoshide (dpa)

 

Mit unseren Smartphones fotographieren wir unsere Haustiere, Mahlzeiten, unbekleidete Lebensgefährten aber am alleralliebsten uns Selbst. Digitale Selbstporträts haben einen sagenhaften Siegeszug hingelegt.

Allein auf Instagram tummeln sich rund 100 Millionen sogenannte Selfies. Die Verwendung des Wortes soll in den letzten Jahren um 17.000 Prozent gestiegen sein. Konsequenterweise kürte das Oxford Dictionary das Selfie zum Wort des Jahres.

Ob beim Fallschirmspringen, auf der Achterbahn, im Haikäfig oder im Düsenjet. Jede Situation ist es wert, sich in ihr zu verewigen. Auch von so genannten Pietäten lassen sich manche nicht die Freude an der Selbstinszenierung vermiesen. Und knipsen sich grinsend vor brennenden Häusern, mit angemessen ernstem Ausdruck bei Tante Klaras Beerdigung, vorm Reaktor in Tschernobyl oder der Gaskammer in Auschwitz.

Ist das der endgültige Durchmarsch der Selbstdarstellungsgesellschaft oder hatte wir früher einfach nicht die tollen Mittel um unseren Narzissmus unkompliziert mit der Welt zu teilen?

Wir brauchen das total spontane Selbstporträt schließlich nur mit einem schicken Filter aufhübschen, auf Facebook posten – und dann aufs Urteil warten. Ab dem vierten Like prickelt das Ego, ab dem Dutzend knallt der innere Sektkorken.

1_Fütter meinen Ego

Besonders Jugendliche nutzen ihr Smartphone als Ich-Maschine. Bis zu 90 Prozent aller US-Teenies sollen Selfies im Internet veröffentlichen. US-Autor John Paul Titlow nannte die Selfie-Schwemme „einen High-School Beliebtheitswettbewerb auf digitalen Steroiden“. Andere sprechen milder vom Bedürfnis nach Bestätigung, Selbstvergewisserung oder der zeitlosen Sehnsucht nach Kontakt:

2_ (Ab 04:15) Ich bin vom Shuttle getrennt und ich drifte, hören sie mich. Hört mich jemand? Irgendjemand.

 

http://selfiesatfunerals.tumblr.com/

http://selfiesatseriousplaces.tumblr.com/

https://netzpolitik.org/2013/selfie-ist-das-wort-des-jahres-laut-oxford-dictionaries/

http://mashable.com/2013/12/02/darth-vader-selfie-star-wars-instagram/

http://de.scribd.com/doc/167602342/Selfies-and-the-Search-for-Recognition-See-for-your-Selfie

http://www.theguardian.com/commentisfree/2013/nov/19/selfie-narcissism-oxford-dictionary-word

http://www.nytimes.com/2013/10/20/sunday-review/my-selfie-myself.html?_r=1&

http://www.theguardian.com/technology/2013/jul/14/how-selfies-became-a-global-phenomenon

http://www.theguardian.com/technology/2013/jun/18/huawei-ascend-p6-slimmest-smartphone

http://readwrite.com/2013/01/31/instagram-selfies-narcissism#awesm=~opfR0qVWuF9Rhe

Zusatzinformation Onlinetext:
Der chinesische Smartphone-Produzent Huawei setzt mit seinem Ascend P6 auf die Selfie-Welle. Eine besonders hochauflösende Frontkamera sorgt für extra scharfe Bilder. Eine vorinstallierte Beauty-Software soll automatisch Fältchen reduzieren und Hautunreinheiten beseitigen.

http://www.theguardian.com/technology/2013/jun/18/huawei-ascend-p6-slimmest-smartphone