Es gibt noch eine Chance für Kunstbanausen: Elektrifizierung!

Unser Sinn für Ästhetik ist beeinflussbar. Und zwar durch Elektro-Schocks, meinen Wissenschaftler_innen von der Bicocca Universität in Mailand. Elektrifizierte Testpersonen bewerteten in einem Versuch zumindest die danach vorgelegten Bilder besser als diejenigen, die keine Schock-Therapie durchlaufen haben. Sinn für Ästhetik ist also steuerbar? Können jetzt endlich alle abstrakte Kunst verstehen? Und was ist eigentlich Schönheit?

Einer Frau stehen Haare zu Berge.

Kurt K. hat alles versucht: Museumsführungen, Volkshochschulkurse, sogar das Fernstudium „Kunst verstehen“. Aber Kurt und die Kunst kommen irgendwie nicht zusammen. Glücklicherweise gibt es jetzt alternative Methoden um den Kunstverstand zu stimulieren

1_Elektro Shock Sound (gerne auch Alternative aus dem Archiv)

Wissenschaftler der Bicocca Universität in Mailand haben zwölf Testpersonen Gemälde und Fotos gezeigt. Für die eine Hälfte gabs dazu eine Placebobehandlung. Für die andere Hälfte elektrische Mikroimpulse auf den dorso-lateralen Präfrontalen Cortex. Dieses Areal im Frontallappen der Großhirnrinde ist, unter anderem, für die Regulierung von Emotionen zuständig.

Und siehe da: die elektrifizierten Versuchsteilnehmer bewerteten die Bilder besser als vor der anregenden Behandlung. Für die Wissenschaftlerin Zaira Cattaneo ein eindeutiges Ergebnis: Schönheit liegt im Gehirn des Betrachters.

Catteno forscht im Bereich der Neuroästethetik. Die will Hirnareale identifizieren, die für ästhetische Erfahrung zuständig sind und deren neurobiologische Grundlagen erforschen.

Kritiker halten das für eine fragwürdige Sache. Die Neurologen würden Kunst auf Schönheit verkürzen. Warum wir Picassos Guernica gut finden, könne man so ganz bestimmt nicht erklären. Überhaupt würden kulturelle und soziale Aspekte ästhetischer Erfahrung zugunsten biologistischer Erklärungen vernachlässigt.

Für Kurt K. gibt’s einen weiteren Wermutstropfen. Bei den Landschaftsbildern klassischer Meister funktioniert die Elektroshocktherapie zwar ganz gut. Bei abstrakter Kunst gibt’s allerdings keinen Ausschlag nach oben. Für die seien vermutlich andere Hinregionen zuständig. Doof: Gerade wenn’s abstrakt wird, könnte Kurt Ks. Kunstsinn ein paar elektronische Impulse doch am dringendsten brauchen.