Pretty or ugly? Das ist hier die Frage.

Schon länger hat Youtube ein neues Genre: Acht- bis zwölfjährige Mädchen (vor allem aus den USA) fragen in Videos, ob sie schön oder hässlich sind, laden sie bei Youtube hoch und lassen die Community entscheiden, ob sie den gängigen Schönheitsidealen entsprechen oder nicht.

Die Kommentare unter den populären “Am I pretty or ugly”-Videos sind genauso erschreckend wie die Videos selbst und die Abgeklärtheit, mit der die Kids sich ein “objektives Bild” über ihr eigenes Aussehen zu verschaffen scheinen.

Schminken funktioniert natürlich auch ganz ohne Youtube.

Es kommt der Tag im Leben eines jeden jungen Menschen, an dem er vor dem Spiegel steht und sich fragt: Bin ich schön? Bin ich hässlich? Beziehungsweise: Was geht eigentlich? Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten?

Der Spiegel bleibt dann meistens stumm, und die Freunde fragen ist ja wohl peinlich und sowieso objektivitätsmäßig Banane, aber heutzutage gibt’s Youtube, das neue Fernsehen für Zwölfjährige. Und die stellen dort tatsächlich genau diese Frage. In Massen. Nicht nur Zwölfjährige. Sondern auch Achtjährige.

(Kind: “I want to know if you think in your opinion if I’m pretty or ugly.”)

Was dann in den Kommentaren kommt, kann man sich ausrechnen. Entweder: Hör nicht auf die Anderen – nur innere Werte zählen. Oder: mach mal was mit Deinen Haaren, ich kann Dir ein paar Beauty-Tipps geben. Oder natürlich: Du bist (Hall) hässlich, hässlich und nochmals hässlich. Ugly ugly ugly.

(“I want you to be very honest with this.”)

Dass heute schon Achtjährige wissen wollen, wie schön sie sind, ist natürlich bitter genug und Produkt der ganzen Nexttopmodelseuche. (Kreischen) Aber viel schockierender ist ja noch, mit welcher Abgezocktheit Kinder den Shitstorm in Kauf nehmen, wenn sie sich mit so einer Frage exponieren. Mit welcher Routiniertheit sie die für sie relevanten Antworten aus der Masse der Hater-Kommentare herausfiltern können. So läuft das halt im Netz, und unsere Kleinen kennen sich da aus.