Wie man mit der Android-App Ingress Teil einer neuen Wirklichkeit werden kann – und wer dahinter steckt.
Augmented Reality ist mittlerweile ein alter Hut. Und dennoch scheint die Science-Fiction-Welt hinter der Wirklichkeit immer noch eine unglaubliche Anziehungskraft zu haben. Die zahlreichen Menschen, die gegen Autos laufen, während sie auf die andere Welt in ihrem Smartphone starren, beweisen das.

In dem Spiel “Ingress” streiten die Spieler um eine neue Form von Energie. (Ryan Ozawa | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)

Auf zu den Denkmälern!

Einer der Schöpfer dieser neuen Welten nennt sich Google und Ingress heißt das Tor in seine Welt, die aus nur zwei Fraktionen besteht: Die Erleuchteten kämpfen dort gegen den Widerstand. Gut gegen Böse, alles wie immer. Sie streiten um eine neue Form von Energie, die sich auf der Erde breit gemacht hat und die sich vor allem an Portalen sammelt. Diese Portale sind zum Beispiel Denkmäler und können via Smartphone ausgemacht und aufgesucht werden.

Google spielt mit

Weltweit mehr als eine Million Spieler laufen also mit Smartphones bewaffnet von Denkmal zu Denkmal und denken dabei wohl kaum daran, wen sie dabei mit Bewegungsdaten füttern – ihr Gott heißt Google, und der ist garantiert nicht von der guten Seite.

 

Skript:

Wir haben’s schon immer geahnt: hinter der biederen Schiller-Büste im Stadtpark steckt mehr. Sie ist nämlich ein Quell (Hall) außerirdischer Strahlung. Klingt jetzt esoterisch, ist aber von Google: (SciFi-Ambient-Musik) das Augmented-Reality-Spiel „Ingress“ konstruiert eine Science-Fiction-Welt hinter die Welt. Läuft man mit der Google-Maps-basierten Karte des Spiels auf seinem Phone durch die Gegend, wird alles grün und blau: Statuen und Denkmäler sind nämlich plötzlich Energieportale der Erleuchteten oder des Widerstands, der beiden gegnerischen Parteien im Spiel. Und dann geht’s los: Feindportale wegballern und Kontrollfelder aufbauen. Grün gegen Blau, Gut gegen Böse: Der übliche Kampf um die Weltherrschaft also.

Die Techno-Schnitzeljagd für Verschwörungstheoretiker macht Spaß, besonders wenn man sich zu Gruppenfeldzügen trifft oder in koordinierten Aktionen kontinentalübergreifende Kontrollfelder installiert. Kollateralschäden natürlich inklusive: Gelegentlich rennen Spieler smartphonebestarrend gegen Autos (plonk) oder werden beim Zäuneüberklettern von Sicherheitsleuten verhaftet (Handschellen schließen). Über eine Million Spieler haben die Ingress-App weltweit schon auf ihr Telefon installiert.

Was den meisten von ihnen wohl wurscht ist: Sie werden wahrscheinlich als datenbankenfütternde Versuchsmäuschen eingesetzt. Denn natürlich streut Google das kostenlose Spielchen nicht ohne Eigennutz unters Volk. Mit den Bewegungsprofilen und den Fotos von Denkmälern optimieren die Spieler nebenbei Google Maps und die Wlan-Positionskarte. Der (Hall) Große Bruder lässt spielen.