Wie Hochzeitswebsites Linda de Mols Erbe antreten.

Das Internet beheimatet bekanntlich so ziemlich alles, was mit schlechtem Geschmack zu tun hat. Auch Hochzeiten werden im Netz gern dokumentiert – und sind dabei meist genau so wenig traumhaft wie früher bei Linda de Mols Traumhochzeit – damals, als die Welt noch fernsah.

Websites wie hochzeitswahn.deCarats & Cake und theknot.com liefern knallharte Beweise.

Die USA haben leider nicht Linda de Mol, aber Drive-Through-Hochzeiten. (atomicjeep | Flickr | CC BY 2.0)

Skript:

(Titelmelodie) In den 90ern waren Hochzeitshows das große Ding. Abermillionen schmolzen dahin, wenn Günther aus Herne seiner Gaby einen herzerweichenden Antrag machte. (“Möchtest du mich heiraten?”)

Der jüngste Versuch die „Traumhochzeit“ zu reanimieren endete quotenmäßig im plötzlichen Herztod. (Melodie verstummt, EKG-Ton

Kein Wunder. Die Traumhochzeiten der Gegenwart bietet heute das Internet. Auf unzähligen Hochzeits-Blogs und -Portalen können sich die Eheleute von morgen tolle Tipps für den schönsten Tag ihres Lebens abholen.

(schnulzige Musik) Die Seiten heißen „Weddix“, „Verrückt nach Hochzeit“ oder „Hochzeitswahn“ und haben zigtausend Facebookfreunde. Man sieht ausnahmslos attraktive Bräute in exklusiven Locations von sündteuren Hochzeitsfotographen vintagemäßig abgelichet. Wie bei Linda de Mol ist immer alles natürlich traum- und zauberhaft aber mittlerweile furchtbar geschmackvoll: (Plattenscratch, fragenden Hm?) Moderne Prinzessinnen setzen nicht mehr auf Märchenschloss und Hochzeitskutsche, sondern auf Cabrio und Landhausstil.

(“Hava Nagila”) Praktischerweise präsentieren die Portale auch gleich die Heerscharen von Floristen, Stylisten, Dekorateuren und Fotographen, die am Kuchen verdienen wollen. Geschätzte 2 Milliarden Euro hat die deutsche Hochzeitsindustrie 2012 umgesetzt. (Kassenklingeln)

US-amerikanische Paare gaben laut einer Studie des Portals „The Knot“ durchschnittlich 20.000 Euro aus. (Kassenklingeln) In fancy New York liegt das Mittel bei 55.000 Euro. (Kassenklingeln) Passenderweise nennt sich eins der Hochzeitsportale Carats & Cake: Klunker und Kuchen. (hmm, Mampfen) Für die hier präsentierten Torten könnte man ein paar Schulklassen ein paar Wochen ernähren.

(“Der Hochzeitsmarsch”) Hach, haucht man da gerührt. Wer soviel Geschmack und Geld in den schönsten Tag seines Lebens investiert, muss doch garantiert glücklich werden. Oder kann zumindest alle anderen vor Neid erröten lassen.

Links:

http://techcrunch.com/2013/10/21/social-weddings-platform-wedpics-tops-half-a-million-users-5m-uploads-ahead-of-series-a/

http://caratsandcake.com

http://www.digitaltrends.com/social-media/here-comes-the-bride-social-media-and-wedding-culture/

http://www.hochzeitswahn.de/

http://www.theknot.com/