“Protect me from what I want!” sangen einst Placebo und brachten damit die Angst vor dem Kontrollverlust des Menschen durch den Kapitalismus ganz gut auf den Punkt. Wo sich viel ins Internet verlagert, wird das Materielle immer unwichtiger, könnte man meinen.

Doch auch im Zeitalter der Digitalisierung gibt es immer mehr Dinge, die man haben will und muss. Einige Menschen sind ständig auf der Suche nach dem neuesten Zubehör für Smartphone, Rechner, Tablet und Co. und in einigen Fällen führt das schnell zum finanziellen Ruin – und zum Kontrollverlust. Gear Acquisition Syndrome - kurz G.A.S. - nennen das einige und fordernWarnhinweise auf Gadget-Verpackungen und Altersbeschränkungen für Smartphones und Tablets. Ist Gadget-Sucht eine Krankheit?

Gadget Junkies bekommen nicht genug von technischem Zubehör – bis hin zum Ruin. (Keoni Cabral | Flickr | CC BY 2.0)

Verena C. ist verzweifelt. Der Sommerurlaub ist geplatzt. Die letzte Rate für die Eigentumswohnung steht noch offen. Selbst das Kinderjoga für Tochter Johanna ist ersatzlos gestrichen. Denn ihr Mann Jürgen hat G.A.S.

G.A.S. bezeichnet keine exotische Verdauungsstörung sondern das Gear Acquisition Syndrom: Jürgen muss zwanghaft Gadgets kaufen.

Bis vor einiger Zeit waren vor allem Musiker und Fotographen G.A.S. gefährdetet. Sie verballerten ihr Erspartes für neue Gitarren und neue Objektive.

Im Smarthponezeitalter ist G.A.S. zur heimlichen Volksseuche geworden. Betroffen sind alle Bevölkerungsschichten, Männer stärker als Frauen.

Nächtelang liest Jürgen Testberichte im Internet. Wuschig wird er nur noch beim Auspacken seiner elektronischen Spielzeuge. (bibbern) Gerade sitzt er mit Entzugserscheinungen am Schreibtisch und wartet auf das Klingen seines DHL-Dealers. Ohne das neue Tablet macht Arbeiten keinen Sinn. Die digitalen Drogenproduzenten aus Japan und USA halten mit immer kürzeren Innovationszyklen den Konsum der Gadgetjunkies hoch. Über eine Milliarde Smartphones werden sie dieses Jahr verticken.

Verena C. hat deshalb jetzt eine Bürgerinitiative gestartet. Um den Staat zum Handeln zu zwingen. Ihre Forderungen: Allgemeines Werbeverbot für Unterhaltungselektronik. Alterskontrollen vor Großdealern wie Mediamarkt. Smartphones erst ab 16. Tablets ins Betäubungsmittelgesetz und abschreckende Warnhinweise auf iPhone-Verpackungen.

Doch die Chancen stehen schlecht. Die Weltgesundheitsorganisation hat G.A.S. immer noch nicht als Krankheit anerkannt. Kein Wunder: (bibbern) Gegen die Macht der globalen Gadgetkartelle wirkt selbst die Tabaklobby wie eine Bananenbauergewerkschaft aus Guatemala.

Links:

http://neuerdings.com/2013/10/05/gear-acquisition-syndrome/

http://www.steelydan.com/gas.html

http://petapixel.com/2013/08/03/the-fear-to-photograph-and-the-gear-acquisition-problem/

http://www.yanidel.net/2011/11/23/12-symptoms-of-g-a-s-gear-acquisition-syndrome/

http://www.delamar.de/fun/gear-acquisition-syndrome-test-gas-4468/

http://erickimphotography.com/blog/2012/03/04/10-tips-on-how-to-cure-yourself-of-gas-gear-acquisition-syndrome/

http://de.statista.com/themen/581/smartphones/

http://www.zdnet.de/88141177/smartphone-absatz-fur-2012-betragt-700-millionen-stuck/

http://www.faz.net/agenturmeldungen/unternehmensnachrichten/smartphone-absatz-wird-2013-laut-idc-die-milliardengrenze-knacken-12559946.html