Mit der Holzhammermethode will die Kommunistische Partei Chinas die Gerüchteschleuder Internet unter Kontrolle bringen.

Die unbequeme Kakophonie aus dem Netz erschwert die soziale Kontrolle. In einer Rede blies deshalb der chinesische Präsident höchstpersönlich zum Angriff. Die schläfrige Partei solle doch endlich wieder Meinungsführer werden. Freche Blogger - mit zehn Millionen Followern - hätten mehr Einfluss als die Staatszeitung. Die verkauft gerade mal 2,5 Millionen Exemplare. Nun sollen Gesetze aus analoger Zeit digitale Kontrolle möglich machen.

Achtung, verbotener Inhalt! Das Icon eines Polizeibeamten erscheint auf einer chinesischen Website. (dpa/picture alliance/ADRIAN BRADSHAW )

(Hektisches Tippen) Entfernen. Entfernen. Entfernen. Hektisch löscht der chinesische Blogger Einträge. Über Korruption, Amtsmissbrauch, Umweltverschmutzung. Kritische Kommentare? Schön und gut. Aber ins Zuchthaus möchte er dafür nicht. (Gitter wird geschlossen) 30 Mann auf 20 Quadratmetern, Schläge und Schlafentzug drohen. Wenn man Gerüchten glauben darf.

(Geflüster) Doch ebendiese will die chinesische Regierung verbieten. Ganz einfach. Wer ein Gerücht postet, kann bis zu drei Jahre im Knast schmoren. Wenn es von mindestens 5000 Nutzern gelesen wird. Die Jagd auf Blogger ist eröffnet. (Jagdhorn ertönt) Menschenrechtler Hu Jia:

“Ich glaube es ist eine Säuberungsaktion. Die Errichtung des chinesischen Regimes jährt sich zum 64. mal. Am 1. Oktober ist Nationalfeiertag. Die Behörden wollen eine harmonische und stabile Situation.”

(Geflüster) Üble Nachrede und Verleumdung werden auch anderswo verfolgt. Doch mit dem chinesischen Gummiparagrafen kann jede Meinungsäußerung niederknüppelt werden. Wenn sie nicht der Linie der Partei entspricht. (Gitter wird geschlossen) Wer weiß denn schon was ein Gerücht ist?

(Parteihymne) Pure Not macht die Kommunistische Partei Chinas erfinderisch: Politische Skandale beginnen oft als Gerücht im Netz. Und die Blogger haben mehr Leser als die Zeitung der Partei. Der chinesische Präsident höchstpersönlich will die schläfrige Partei endlich wieder zum Meinungsführer machen. (Gong ertönt)

Das Rennen bleibt spannend. Die NSA lag schon knapp vorn. Doch die chinesischen Genossen holen unerbittlich auf. Im Kampf um den schönen Titel „größter Feind des Internets“.