Apps können alles. Jetzt werden sie sogar vom Arzt verschrieben.

Mit 240 Milliarden Jahresumsatz ist das Gesundheitswesen mittlerweile einer der größten Industriezweige in Deutschland. Kein Wunder, dass in der Zukunftsbranche auch an Apps gearbeitet wird. Die sollen uns beim Erhalt unserer Gesundheit helfen.

In England geht nun ein Traum aller Smartphone-Fans in Erfüllung: Im schwerfälligen Gesundheitswesen National Health Service sollen jetzt Apps von Ärzten auf Rezept verschrieben werden.

Dieser Netzreporter ist eine Wiederholung vom 28.03.2013.

Smartphones sollen dem schwerfälligen Gesundheitssystem auf die Sprünge helfen. (Josh Bancroft | flickr.com | CC BY-NC 2.0)

„Hallo Herr Doktor. Ich glaube mein Oberschenkelhalsknochen ist gebrochen.“ – „Halb so schlimm. Zur Heilung verschreibe ich ihnen ein App fürs Handy!“ (Geräusch Beatmungsmaschine) Apps sind wahre Alleskönner. Die Wunderdinger können sogar heilen. In Großbritannien werden die Anwendungsprogramme bald von Ärzten verordnet. Auf Rezept. Zusammen mit Rheumasalbe, Hustensaft und Betablockern.

Der britische Gesundheitsminister Andrew Lansley will Apps für den Umgang mit Diabetes, Allergien und Bluthochdruck verordnen lassen. Andere sollen die eigene Krankenakte verwalten und Visiten vereinbaren.

Kein Wunder, denn auf App-Plattformen ist das Stichwort Gesundheit eine wichtige Kategorie: (Bohrer) Früher waren Krankheiten noch Schicksal. Heute ist Gesundheit planbar. Beispielsweise mit Apps, die Kalorien zählen. Oder Vitalwerte aufzeichnen. Und die vor Tagen mit schlechter Laune warnen – anhand des vorausberechneten weiblichen Zyklus’.

(SprühenHerzschlag) So passt das Heilmittel Gesundheitsapp passt in unsere alternde Gesellschaft. Bei höherer Lebenserwartung ist lang anhaltende Gesundheit wichtig. Wurde früher für soziale Utopien gekämpft, so liegt der Fokus mittlerweile auf dem eigenen Wohlergehen. Dabei ist das Internet in Gesundheitsfragen schon lange ein unerschöpfliches Füllhorn. Hypochonder diagnostizieren damit gern tödliche Erkrankungen. Und treiben ihre Ärzte in den Wahnsinn.

Die britischen Apps auf Rezept sind Teil einer gigantischen Reform des maroden National Health Service, die dieser vielleicht nicht überleben wird: Apps als Medizinprodukt sollen Kosten sparen – durch weniger Arztbesuche. (Herzschlag setzt aus, Sinuston) Patienten werden so zum Fallmanager ihrer eigenen Gesundheit. Erst durch Apps verfügen sie ständig über aktuelle Informationen, die früher nur Göttern in weiß vorbehalten waren. (Defibrillator lädt) Quantify Self für die siechende Society.

Vielleicht kann Gesundheitsminister Andrew Lansley auch ein neues App aus dem eigenen Haus beisteuern: MP3-Aufnahmen der langweiligsten Reden aus dem englischen Unterhaus. Auch so ein App ließe sich prima vom Arzt auf Rezept verordnen – als potentes Einschlafmittel.