In ihren Appstores sind Apple und Google die uneingeschränkten Herrscher. Sie verbieten fast alles, was Spaß macht, vor allem Nacktbilder und jegliche Form von Freizügigkeit. Die Stores sind züchtiger als der Vorgarten des Vatikans.

Apple will Inhalte von Planetromeo nicht im Appstore sehen. (dpa)

Die große, schwule Community Planetromeo organisiert Protest dagegen. Die Plattform ist das Herz des schwulen Lebens in Deutschland, sie ist soziales Netzwerk, Partnerbörse und Sexportal in einem. Die Nutzer präsentieren sich mit romantischen Portraits, flippigen Partybildern oder frechen Nacktbildern.
Was in der App nicht sein darf
In der mobilen App von Planetromeo darf das aber nicht sein. Als Protest gegen die Netzgiganten hat Planetromeo eine Umfrage unter den Nutzern gemacht und die Ergebnisse Apple und Google entgegengeschleudert. Viele User meinen: Was Apple und Google machen ist nichts anderes als Zensur.

Skript

Erinnert sich noch jemand? Das Internet hat einmal richtig Spaß gemacht: die Freiheit war grenzenlos, und es gab keinen Sittenwächter weit und breit. (Einsatz Love&Peace-Gitarrenmusik)

Doch im Jahr 2008 war es damit vorbei. (Geräusch Plattenspieler Scratch) Appstores betraten die Bühne des Netzes. (Einsatz Jazz-Drums) In diesen Internierungslagern für Bits und Bytes darf nur sein, was Apple und Google gefällt. Hier sind sie Diktatoren mit uneingeschränkter Macht.

Und wie alle Diktatoren verbieten sie vor allem eins: nackte Körper. Alles unanständige fliegt raus. (Einspieler Charlie Chaplins Wutrede aus Der große Diktator)

Eine kleine deutsche Plattform rebelliert dagegen: (“Das ist Ben. Er steht auf Jungs. Genau wie du.”) Planetromeo. Sie ist das Herz des schwulen Lebens. Planetromeo ist soziales Netzwerk, Partnerbörse und Sexportal in einem.

Die Nutzer präsentieren sich mit romantischen Portraits, flippigen Partybildern – und Nacktfotos. (Plattenspieler Scratch, Einspieler Charlie Chaplins Wutrede aus Der große Diktator)

In der Planetromeo-App aber dürfen Schmuddelbilder nicht sein. Apple und Google sagen Nein.

Die Plattform schlägt zurück (Geräusch Faustschlag), zumindest ein bisschen. Planetromeo hat 140 Tausend Nutzer gefragt, was sie von dem Verbot von Nacktbildern halten. Die Ergebnisse sind ein Schlag ins Gesicht der Netzgiganten (Einspieler Charlie Chaplins Wutrede aus Der große Diktator): 79% halten es für prüde und sinnlos (Faustschlag), 86% für Zensur (Faustschlag), und mehr als die Hälfte wittert sogar Homophobie (Faustschlag). (Einsatz Drums)

Doch: die Herren des Netzes sagen nichts. Die Diktatoren hören zu und schweigen. Sie wissen: Proteste hin und her, in ihren Stores gibt es nur ein Gesetz: ihr eigenes. Hier sind sie die Herrscher der Welt. (Charlie Chaplins Wutrede aus Der große Diktator: “Demokratie schtonk.” Übersetzer: “Die Demokratie wird abgeschafft”)