Ob Bäckerinnung oder Bank, Einzelhandel oder Fast-Food-Restaurant - sie alle haben ein Herz für Rapper. Mit sprechsingenden Abteilungsleiterinnen, tanzenden Burger-Brätern und Wurstverkäufern im Gangster-Style wollen sie potentielle Auszubildende für ihren Betrieb begeistern. Offen bleibt nur eine Frage: Meinen die das wirklich ernst? Oder steckt hinter all der Mühe doch das Schulministerium?

Auf zum Mars! Der Rote soll sich gefälligst kolonisieren lassen. (Nasa)

Unternehmenshymen gehören in Asien und Amerika zum guten Ton. Hierzulande galt das gesungene Bekenntnis zur Firmenideologie eher als alberner Ausdruck von Ameisenmoral. Mittlerweile entdecken immer mehr deutsche Firmen die gemeinschaftstiftenden Potentiale eines schönen Liedchens: zur Nachwuchsrekrutierung.

Gerade Rap gilt als musikalischer Königsweg in die Herzen zukünftiger Azubis: (Azubis rappen) “Steh auf. Siehst du nicht den Sinn. Mit nem Praktikum bei BMW kannst du nur gewinn.”

Klaro: Wo lässige Führungskräfte von Morgen sprechsingen, da können unmöglich alte Säcke das Sagen haben. Auch die Sparda-Bank versucht musikalisch das Ansehen ihres Berufsstands aufzubohren: (Azubis rappen) “Das Image des Bankers hat stark gelitten, doch der Spaß und die Besonderheit bleibt für uns unumstritten”

Diese Freude soll auch an anderen junge Berufssuchende vermittelt werden. (Gesang) “Schau uns an. Hör uns zu. Wir sind genau wie du. Hey!..”

Die deutsche Bäckerinnung orientiert sich musikalisch eher an Rammstein und feiert die sieben Kardinaltugenden des besonders deutschen Handwerks: (Gesang) “Herz und Hand, Fleiß und Verstand, Spaß und Stolz und ein gutes Nudelholz.”

Ja, ja. Ab heute wird zurückgeknetet. Bei Edeka rappen sie derweil in Basecaps um die Wursttheke, bei der Deutschen Bahn um den Intercity.

Mac Donalds versucht orientierunglosen Jugendlichen ein Schicksal an der Burgerpresse schmackhaft zu machen. (Gesang) “Hey! Mach bei uns den neuen Start, vielleicht wirds auch mal hart, die Zukunft wartet nicht, mach den Schritt ins Rampenlicht!”

Bei der jugendlichen Zielgruppe erntet die akustische Gehirnwäsche eindeutige Reaktionen:  Hohn, Spott und Fassungslosigkeit. Trotzdem hilft sie ihnen bei der Zukunftsorientierung. (“Nee Mama. Ich mach doch Abitur.”)

 

Links:

http://azubirap.tumblr.com/

http://www.youtube.com/watch?v=ym3Giin2C8k

http://www.hr-online.de/website/radio/hr3/index.jsp?rubrik=54785&key=standard_document_48852303

http://deutschelieder.wordpress.com/2013/09/02/dietrich-rudorff-ju-lied/

http://www.zeit.de/2009/28/C-Firmenhymnen