Mit Karacho in die digitale Gegenwart. So hatte sich das die gute alte IG Metall gedacht und produzierte einen Wahlwerbespot für Youtube und Co. Wer jetzt ein Produkt aus der Abteilung professionell gemachte Langeweile erwartet hat, sah sich wider Erwarten getäuscht. Die IG Metall hat den Nerv getroffen. Glückwunsch!

 Die IG Metall ist eine der größten Gewerkschaften in Deutschland (AP)

Vielleicht wird sie eines Tages als Retter der Demokratie gefeiert. Die IG Metall. Ausgerechnet der Dinosaurier unter den Gewerkschaften ist der Silberstreif am Horizont – in Zeiten der Politikverdrossenheit: Vielleicht können politische Themen ja doch unterhaltsam sein. Die Funktionäre überraschen mit dem unterhaltsamsten Wahlspot in einem vor sich hinsiechenden Wahlkampf.

Gemeinhin wird die IG Metall in zugigen Werkhallen verortet. Mit brüllenden Meistern. Und dem penetranten Geruch nach Waschpaste und Bohrmilch. Doch die vom Mitgliederschwund geplagte Industriegewerkschaft katapultiert sich in die digitale Wirklichkeit – mit dem viralen „Geh wählen“-Metallmix 2013. Die restlichen Akteure der politischen Landschaft können dagegen nicht mal ansatzweise anstinken. Mit ihren drögen Wahlkampfspots.

O-Ton Metal-Mix auf Musik (bitte 8 Sekunden vorziehen)

Die betagte IG Metall, mit Wurzeln im vorletzten Jahrhundert, spricht „politikferne junge Schichten zielgruppenspezifisch“ an: Mit einem zusammengeschusterten Mashup aus viralen Youtubehits schockt die größte Einzelgewerkschaft der Welt die selbige: Eine Frau furzt – im Whirlpool. Ein Sänger zerhackt einen Tisch – in einer Talkshow. Ein Kind rastet aus – im Elektromarkt. Unterlegt mit politischen Schlagworten und dramatischer Musik ergeht ein Aufruf. An internetsozialisierte Faultiere vor ihren Rechnern: Setzt doch bitte Eure breitgesessenen Hintern in Bewegung. In Richtung Wahlurne. Bei der Bundestagswahl.

Links

http://www.youtube.com/watch?v=uy1af0A2Bn0