Debatten über Journalismus, dessen Niedergang und Zeitungssterben – kann keiner mehr hören. Trotzdem diskutierte Markus Heidmeier mit Jochen Wegner, Chefredaketeur von Zeit Online, vor zwei Wochen über die Zukunft von Medien, News und Software. Hier die Shownotes als Nachtrag.

Wir können es nicht mehr hören! Die Zukunft des Journalismus! Das Ende der Zeitung! Redakteure zu Programmierern! Der Medienwandel stellt alles auf den Kopf. Überall! So jedenfalls die handelsüblichen Phrasen, die man auf jeder Konferenz antrifft: immer dieselbe Platte. Und wir haben es trotzdem getan: ein Gespräch über Journalismus in Zeiten der Digitalisierung. Es lohnt sich.

Gast:
Jochen Wegener: @jochenjochen

Moderation:
Markus Heidmeier@markusheidmeier und @Netzreport

Foto: Mario Sixtus unter CC BY-NC-SA 2.0 auf Flickr

Zu den Sownotes geht’s hier lang:

1,22 – 2,02:

Wen als Journalist für sich gewinnen? Wenn Geld da?

W: Es existieren sehr sehr gute Journalisten, daher Interesse eher an ,besonderem Talent‘ aus dem ,Datenvisualisierungsbereich‘; Informationen schön visualisieren aber auch programmieren können

 

2,02 – 2,52:

Journalisten müssen auch programmieren können? Nur Hype?

W: Kostbar wenn Kombination funktioniert mit nur 1Person

 

2,52- 4,02:

Insgesamt mehr Kompetenzen haben müssen Ökonomischer Druck oder Weiterentwicklung?

W: bei Zeit Druck nicht so groß; Bsp: Tour de France -> auch mal Video gemacht, Bild, um nicht nur Text verwerten zu können -> kein Team von 6 Leuten hinschicken trotzdem eher Schreiben und Recherche insg ja wichtig geworden Themen komplex darzustellen Grafik, Bild, Video also steigend mehr Kompetenzen

 

4,02 – 5,42:

Warum Tour de France?

W: eTs;t umfangreiches Projekt; eventuell als Standardprojekt in halben Jahr; Neue Erzählform, mehrere Teile; Digital Magazinjournal bei Tageszeitung möglich

 

5,42 – 6,42:

Vergleich Fußball: Wo würden Sie sich bewerben? Mannschaft? Wo Zukunft? New York Times oder Guardian, Twitter?

W: Nö, erstmal hier glücklich, momentan auf meinem Job bewerben Zeit +Zeit online geht es ganz gut; , 50% Wachstum online dennoch hohe Investitionen -> neue Kolleginnen und Kollegen, Technik auf Print konstant, andere ganz andere Probleme Print

 

8,42 – 10,02:

New York Times?

W: Wenn Ausland, Times interessant (am meisten) da in digitale Modelle investieren, Gazeta was das digitale betrifft.

W: kein Interesse an Twitter o.ä. Als Rezipient, aber nicht als Produzent

 

11,22 – 12,37:

Welche große Marke wird verkauft? Washington Post gehört Amazon Erfinder Jeff Bezos. Welche deutsche Marke wird demnächst verkauft?

W: besondere Deal der genannt wird; kann ich mir so in D gerade nicht vorstellen.

 

12,52 – 15,07:

Ist USA Gesamtmarkt anders oder Washington Post u. Kombi Amazon besondern?

W: USA größere digital Unternehmer, mehr Finanzierungsmöglichkeit.

 

Wieso macht Bezos so was?

W: Will evtl. Gesellschaft etwas zurück geben. Mehr als Wertesymbol „Traurig, für Journalisten, werden gekauft“

 

Kein Finanzgedanke bei Washington Post?

W: Doch in Kombi Amzon, eigene Autoren, Verlage groß machen Autoren ohne Mittelsmänner dazwischen zu publizieren.

 

 

15,07 – 19,52:

W:Hobby ist „Wohnen“ Zitat Gehrad Polt; Sitzt gerne auf dem Sofa, liest oder starrt in die Luft; „Brauche das Wohnen um mit meinem Gehirn synchron zu bleiben“; Nichts zu tun ist Qualitätszeit

 

Was lesen Sie? Bücher, Zeitung, eBooks, ePaper?

W:Alles! Trend geht zum Digitalen, auf allen möglichen Geräten. „ An die Entkörperlichung von Literatur hatte ich eigentlich nicht vollständig geglaubt, funktioniert aber sehr gut.“

 

Genre der Bücher?

W: Sammelt Bücher von Menschen in Sondersituationen, bspw. ein Mensch alleine auf der Welt verbleibt z.B. The last Police Man

 

19,52 – 22,52:

Kinder?

W:Ja, zwei im Alter von 10 und 8; von ihnen glaubt er am meisten zu lernen, wenn‘s um die Zukunft mir dem Umgang von Medien geht. Interessant zu beobachten ist, dass seine Kinder alles aus dem Tablett machen, nur Bücher lesen nicht, da sind sie strikt dagegen.

 

22,52 – 25,07:

Diplom Physiker?

W: Ja, Diplom über „Die nicht lineare Dynamik des Menschlichen Gehirns“ geschrieben, ging konkret darum Epileptische Anfälle vorher zu sagen

 

25,07 – 26,37:

Beweggrund in die Journalismus Branche zu gehen?

W: es war umgekehrt; wollte Journalist werden, hat auch Journalistenschule absolviert, dann dachte er, er müsse noch was anderes Studieren „irgendwas profundes was nicht jeder kennt“; Physik und Philosophie schon immer von Interesse, durch viele Arbeit dann nur Physik Studium beendet.

 

Reiz an Philosophie?

W: Was den Menschen alles im Innersten zusammenhält. Dachte Philosophie gibt die Fragen und Physik die Antworten.

 

26,37 – 27,37

Dennoch zurück zum Journalismus?

W: Ja weil mit größerer Leidenschaft Journalist. Wirkliches Interesse die Welt zu beschreiben; „ Man arbeitet sich in Dinge ein, versucht sie zu durchdringen und siese dann zu erzählen“; man darf sich ständig mit neuen Themen beschäftigen und sie weiter tragen „Es gibt nichts tolleres“

 

27,37 – 32,47:

W: Die eine Antwort wie Journalismus in 10-20 Jahren funktioniert gibt es nicht. Einerseits sinken Printerlöse, anderseits gibt es neue Formen von Medien, über die vor einigen Jahren keiner nachgedacht hat; z.B. Facebook; es gibt Einblick in andere Welten

 

32,47 – 35,47:

Herausforderung die Alte Idee von Öffentlichkeit zu wahren?

W: Zeit Online macht nicht nur das, was eine kleine Gruppe von Menschen gut findet, nicht Filterbubble, sondern was sie finden, was die Welt ausmacht

 

35,75 – 39,02:

Wie verhalten sich redaktionelle Herausforderungen und Technologie getriebene Herausforderungen zu einander?

W: Zeit ist inmitten eines Umstrukturierungsprozesses; 2 Wochen Rhythmen, in denen man sich trifft, den Zwischenstand teilt, schaut ob es in die richtige Richtung geht und dann weiter daran arbeitet. „ Es gibt nicht mehr diese spezifischen Pflichten und Lasten Hefte, sondern versuchen Redaktionsbetrieb mit digitalen Angeboten zu verknüpfen; Entwickler sitzen nun auch im Newsroom.

 

39,02 – 40,22:

W: Im Redaktionssystem läuft eine IT Architektur im Hintergrund; Gibt noch ein großes Redaktionssystem auf Opensource basis

 

40,22 – 45,22:

Wie organisiert man in so einer großen Redaktion Innovation?

W: „Alle sitzen auf einem Haufen im Newsroom“ das ist das Geheimnis. Es gibt Themensindel, in einer großen oder kleinen Runde, die jeder einberufen kann, wo überlegt wird wie man sich einer Sache / einem Thema nähern soll.

 

45,22 – 48,04:

Ratschläge für die großen linearen Programmanbieter?

W: hat sich abgewöhnt welche zu geben, da sich in jedem System alles anderes dastellen kann; von außen betrachtet: Faszination, mit welchen Ressourcen und welchem Aufwand öffentlich rechtliche Medien agieren. Vielleicht die Frage wenn man heute nochmals etwas machen müsste, wie würde man es tun?

 

48,04 – 49,39:

W: Die Frage ob Radiofunk nötig ist würde er sich nicht stellen, sondern lediglich ob man‘s nicht anderes organisieren könnte, nicht in dieser Opulenz und Ausprägung.

 

W: Die Frage in wieweit die Quote relevant ist, ist wichtig

 

W: Ist ein Verfechter davon, dass Inhalte für die man schon bezahlt hat und die man schon hat auch für alle frei verfügbar sind.

 

49,39 -52,59:

Idee, dass es eine Stiftung gibt die Zeitungen in Zukunft finanziert

W: „Man brauch nicht noch mehr Volksfinanzierte Medien“. „Ich bin ein Fan davon, dass Journalismus sich auf alle möglichen Wiesen finanziert und nicht von einer Art komplett abhängig ist“.

 

52,59 – Ende:

Zeitungen, Newsportale, Online Info Portale? Was ist das?

W: Zeit online ist ein „Minuten aktuelle Wochenzeitung“, versuchen die Tiefe eines Wochenmediums zu haben.

Idealbild: „ Die Tiefe die ein Wochenmedium mit seinen Ressourcen erreichen kann, einfach minütlich haben, das ist sozusagen die Metapher.“

 

Lässt sich Öffentlichkeit auf Dauer ohne Subventionen organisieren?

W: Ja, ist sich fast sicher, dass es weniger werden wird