Im Onlinegame “Papers, Please” muss man als Spieler in die Rolle eines finsteren Zollbeamten schlüpfen.
Screenshot aus dem Games  Papers, Please!

 

Superheld, Supersoldat oder Superklempner: Computerspiele bieten gerne Gelegenheit verhinderte Berufswünsche auszuleben. Im Indiegame „Papers, please“ bin ich was ich nie werden wollte: Zollbeamter in einem totalitären Staat.

1_Bett: Musik

Meine Welt ist mein Schalter. Jeden Tag schieben sich Menschenschlangen vorbei. Hier in Arstotzka, einem fiktiven Ostblockstaat, suchen sie nach Arbeit, Verwandten, oder einem neuem Leben. Mein Stempel entscheidet: „Der nächste Bitte“.

Entwickler Lucas Pope hat jahrelang an millionenschweren Hochglanzspielen gearbeitet. Sein grobpixeliges Indie-Game nennt er selbst einen „dystopischen Dokumententhriller“. Es ist auch eine bissige Politsatire und ein
bösartiger Ohnmachtssimulator.

Denn zum Retter der Welt werde ich es niemals bringen. Ich bin bloß ein kleines Rädchen. Muss funktionieren um zu überleben.

Hektisch vergleiche ich Siegel, Visa, Arbeitserlaubnisse. Jeden Tag werden die bürokratischen Hürden höher gezogen. Jeden Tag muss ich mehr Dokumente bearbeiteten. Darf mir keine Fehler erlauben, sonst muss meine Familie heute frieren. Ich stemple und stemple.

Manchmal erlaube ich mir ein wenig Menschlichkeit. Eine Flüchtlingsfamilie ohne Visum lasse ich durch. Einen Menschenhändler mit gültigen Papieren weise ich ab. Fühle mich gut. Abends ist mein Sohn krank. Mein gekürzter Lohn reicht nicht für die Medizin.

Morgen werde ich mich mir mit Schmiergeld den Lohn aufbessern. Die Mechanismen totalitärer Staaten, bürokratischer Tretmühlen, Selbsterhaltung und Korruption durchspiele ich am eigenen Leib.“ Dafür wurde das Indiegame von der Spielepresse gefeiert. Dieses Berthold Brecht hatte recht. Menschlichkeit muss man sich leisten können. „Der nächste Bitte“.

http://dukope.com/

http://www.gamespot.com/papers-please/reviews/papers-please-review-6412914/

http://www.spiegel.de/netzwelt/games/gespielt-papers-please-dokumententhriller-mit-pixeliger-grafik-a-919126.html