Was Google, Gott und Goebbels gemeinsam haben, erklärt Lydia Meyer

Die US-amerikanische Übersuchmaschine soll angeblich Links nach rassistischen Mustern zusammenstellen.

Rassismus ist in den USA auch Jahrzehnte nach der Abschaffung der Rassentrennung ein virulentes Thema. Nicht nur dass es etliche Versuche gab, dem regierenden Präsidenten Obama nachzuweisen, er sei in Wahrheit gar kein echter US-Bürger, da er angeblich außerhalb der USA geboren sei.

Rassismus im Netz

Auch im Netz scheinen sich rassistische Verhaltensmuster fortzusetzen. Gemeint sind dabei allerdings nicht nur krakelende Blogs und schwadronierende Forenartikel. Auch eines der großen Drehkreuze des Netzes, die Suchmaschine Google, scheint rassistischen Mustern zu folgen. Das behauptet jedenfalls die Harvard Professorin Latanya Sweeney.

Auf einem Plakat ist ein Fuß zu sehen in weiß vor schwarzem Hintergrund, unter der Fußsohle ist schematisch ein Gesicht zu erkennen - Plakat zu einer Ausstellung gegen Rassismus in Jerusalem.

Google auf rassistischen Spuren? Harvard Professorin Latanya Sweeney glaubt: ja. (Adriana Lukas | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)

Skript

Google gilt ja gemeinhin als eine Art Gott. Was der sagt, ist Wahrheit. Und man kann ihm – im Gegensatz zu seinem himmlischen Rivalen – sogar Fragen stellen und bekommt eine Antwort. Dafür muss man nicht früh morgens auf kalten Böden knien, keine Lämmer schlachten, nicht beichten und nicht fasten. Nicht mal sterben muss man, um die Wahrheit zu rauszukriegen. Man gibt einfach eine Wissenslücke seiner Wahl in die Suchmaske ein und wartet einen Moment.

Der Allwissende spuckt mit hundertprozentiger Sicherheit etwas aus: Die einzig wahre, echte Wahrheit, übersetzt in unschuldige Links – nüchtern, selig, unantastbar. Dazu macht er ein bisschen Werbung, filtert ein wenig und liefert – je, nachdem, was wir in der Vergangenheit so wissen wollten – Ergebnisse und Anzeigen zum Schlagwort unserer Wahl.

Doch eine Studie der Harvard-Professorin Latanya Sweeney sägt jetzt am heiligen Kreuz. “Googles Werbeanzeigen sind rassistisch geprägt!” schreit die Ketzerin.

Herausgefunden hat sie das beim Namen-Googlen. Sie gab 2184 Namen ein, ließ sie vorher von anderen als “typisch schwarz” und  “typisch weiß” einordnen und fand heraus, dass die Ergebnisse zu Jill und Jeffrey neutral ausfielen, während DeShawn, Darnell Ergebnisse mit kriminell Inhalten assoziiert wurden.

Was heißt es jetzt, wenn unsere göttlich bestimmte, objektive Wahrheit auf rassistischen Grundlagen beruht? Ist doch klar – die Maschinen sind schuld. Haben wir nichts mit zu tun. Amen.

http://www.n24.de/news/newsitem_8581259.html
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/feb/05/can-googling-be-racist
http://dataprivacylab.org/people/sweeney/new.html
http://dataprivacylab.org/projects/onlineads/index.html

Dieser Netzreporter ist Teil unserer Sommerhitparade. Er ist eine Wiederholung vom 20.02.2013.