Die Frage, ob Computerspiele Kulturgüter sind, ist entschieden. Aber sind Programmierer und Designer auch die Autoren der Zukunft? Oder sogar wir Nutzer?

Während die großen Spielefirmen Geschichten wie aus Hollywood oder aus literarischen Erzählungen inszenieren, wendet sich eine stetig wachsende Gruppe von Entwicklern anderen Interaktionskonzepten mit dem Spieler zu. Ob weltbewegender Gamification-Ansatz, politische Bildung oder poetische Selbstreflexion – die Bandbreite wird immer größer und sicher ist nur, dass sich unsere Sicht auf digitale Spiele als Kellermedium verändert.

Unter dem Titel “Digitaler Salon – Fragen zur vernetzten Gegenwart” luden das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) und die Dradio Wissen Netzreporter am 31. Juli zum siebten Digitalen Salon 2013 in Berlin ins HIIG Unter den Linden Ecke Bebelplatz. Das Thema “Games” stand im Mittelpunkt der einstündigen Debatte.

Screenshot des Computerspiels "Dafur Is Dying"

“Dafur is Dying” zählt zu den newsgames. (Screenshot DRadio.de)

Timeline
Die Timeline verläuft ausnahmsweise rückwärts, angeglichen an den Hörbeitrag auf DRadioWissen. Das Video zu dem Beitrag findet ihr auch hier auf Netzreporter.

Skript
54-53min:
In Deutschland wurden 4,6 Mrd. im Jahr 2011 für Computerspiele ausgegeben. 1/3 der Deutschen sind ,aktive‘ Spieler. Seit 2008 zählen Computerspiele zum Kulturgut.

53-52min:
Werden Computerspiele unterschätzt, wie die Romane im 19.Jh., können aber später große Erfolge feiern? Haben Computerspiele Einfluss auf unsere Kultur?

50-45min:
Vorstellung Interviewpartner

45,10min:
Werden Computerspiele unterschätzt? Schlechter Einfluss? Als Kulturgut anerkannt?

Michael Liebe: Computerspiele würden nicht unterschätzt, konnten schon in vielen Bereichen Erfolge feiern. Wurde selbst noch nie auf schlechten Einfluss von Computerspielen angesprochen. Allgemeine Akzeptanz sei vorhanden.

43,50- 41min:
Christian Schiffer: Computerspiele würden in erster Linie als Wirtschaftsfaktor, nicht als Kulturgut wahrgenommen.

Christian Huberts: Computerspiele würden Allgemein sehr akzeptiert, aber es fehle die Definition, was genau die Bedingung für ein Computerspiel sei, damit es kulturell wertvoll ist.

41,05min:
Einigkeit, dass Serious Games kulturell wertvoll, aber was ist mit Ego-Shootern?

Publikum: Peter Tscherne (Stiftung digit. Spielekultur) (40,40 min)
Ja, Ego-Shooter könnten auch Selbstreflexion der eigenen Gewalt sein und Antikriegsmessage haben.

40-36,50min:
Jörg Friedrich: Computerspiele könnten in den letzten Jahren gute Erfolge feiern, allerdings solle man das nicht überschätzen, da sie immer noch nicht den gleichen Stand wie andere Kulturgüter, bspw. Bücher hätten.

Christian Schiffer: Es sei schwierig zu beurteilen, ab wann ein Computerspiel ein Kulturgut darstelle. Gewalt in Spielen bedeute meistens den Ausschluss als Kulturgut, aber schließlich würde man Gewalt auch in Büchern und Filmen finden und ihnen deshalb nicht gleich das Prädikat ,schlecht‘ zuweisen. Dennoch müsse Gewalt in Computerspielen natürlich untersucht werden und welche Botschaft das Computerspiel damit vermitteln wolle.

36,30min:
Können Computerspiele Spiegel der Gesellschaft sein?

Christian Schiffer: Gute Computerspiele könnten auch sozialkritisch sein und sollten den Zeitgeist der Gesellschaft einfangen. Den Zeitgeist einfangen, sollte generell das Merkmal eines guten Kulturprodukts sein.

34-26,20min:
Was sind Computerspiel- Klassiker?

Christian Huberts: Killer 7 (Spieler ist Killer, Computerspiel werbe offen damit)

Jörg Friedrich: Minecraft (Spieler kann fiktive Welt verändern und neu bauen)

Michael: Civilisation (Welt erobern, als Ritter etc)
und  Die Siedler (typisch deutsches Spiel. Dorf aufbauen, Bier brauen…)

20-10min:
Alle: Computerspiele seien eigentlich nicht mit der Entwicklung von Romanen vergleichbar, da Computerspiele eine komplett neue Gattung darstellen und der Roman nur ein Teilbereich der Gattung ,Buch und Print‘ sei.

Christian Schiffer: Computerspiele müssten nicht immer Spaß machen. Wichtig sei die Faszination für das Spiel, dann könne auch ,Erfahrung sammeln‘ und ,Bildung‘ im Vordergrund stehen.

10min:
Kann den Computerspiel Entwicklern/Herausgebern die allgemeine Akzeptanz nicht egal sein?

Michael Liebe und Christian Schiffer:
Ja, Verdienst sei trotzdem genug, da es eine ausreichende Nachfrage gebe. Aber die Konsumenten würden auch anspruchsvoller werden. Dies sorge automatisch für kritische Gedanken und fördere neue Spiele. Generell sollten Entwickler/Designer von Computerspielen den Anspruch an sich haben, kritisch und reflektiert zu arbeiten.

3-0min:
Persönlicher Wunsch für neue Computerspiele in der Zukunft?

Jörg: Friedrich:  Ein Spiel von Berlin in den 20er Jahren

Christian Schiffer: Eine historische Fußballsimulation, z.b. Fifa 1986

Michael Liebe: SMS Bomber. Auf google maps eine Region anklicken und dann dort allen Leuten gleichzeitig eine SMS schicken.

Christian Huberts: Anticivilisation (von Spiel Civilisation). Siedler, Jäger, die vor Zivilisation flüchten.

 

Moderation: 

  • Marlis Schaum, DRadio Wissen

Auf dem Podium diskutieren: 

  • Christian Schiffer, Radiojournalist für den Bayerischen Rundfunk und den Deutschlandfunk sowie Herausgeber des Spiele-Magazins WASD
  • Michael Liebe, selbständiger Eventkoordinator der Deutschen Gamestage 2013
  • Jörg Friedrich, Design Director bei Yager Games
  • Christian Huberts, selbstständiger Kultur-und Medienwissenschaftler