Eine Reise durch die Urlaubsalben von Freunden.

Der Sommerurlaub fällt dieses Jahr aus. Das ist schmerzhaft genug. Zu allem Unglück terrorisiert mich Facebook noch mit den Urlaubsbildern meiner Freunde. Sie scheinen nur eines sagen zu wollen: schau mal, wie schön es hier ist. Es ist zum Heulen.

Verschiedene Reisefotos aus Ländern wie Griechenland, England, Deutschland und vielen anderen. (Andrea_44 | Flickr | CC BY 2.0)

Mitte Juli. Urlaubszeit. Ich hab nichts geplant, nicht gebucht. Der Sommerurlaub fällt dieses Jahr aus.

 

Facebook aber ist gnadenlos. Die Urlaubsbilder meiner Freunde zeigen mir, wie schön das Leben sein kann. Nur nicht für mich, den Daheimgebliebenen.

Regie: Heulen

Eine Idee reift: Urlaub per Facebook. Ich folge den Reisen meiner Freunde. In ihren Profilen warten die Dokumente ihres aktuellen und vergangenen Glücks. Kroatien 7/2011 heißen sie, Malaysia 2013 oder schlicht: Paris. Es geht los.

Regie: Motorrad, das mit Startschwierigkeiten anfährt

Erste Station: Costa Rica. Blauer Himmel, Meer, Palmen. Ich döse in der Hängematte. Klick. Jongliere mit unreifen Mangos. Klick. Abends sitze ich mit einem Bier am Strand.

Regie: dazu lateinamerikanische Musik (z.B. das hier, s. mp3, ab 0:20)

Dann 9.000 Kilometer Richtung Westen. In Paris waren gleich drei Freunde. Sie posieren vor dem Eiffelturm und dem Eingang zum Louvre, in schwarz-weiß. In der Luft liegt eine Ahnung von unerwarteter Liebe.

Regie: Anspielen von Paris s’eveille (s. mp3, ab 2:03, ausblenden mit der Querflöte ab 0:07 ausblenden)

7.000 Kilometer weiter. Tansania in Afrika. Giraffen laufen durchs Bild. Brennende Sonne, endloser Horizont, lachende Menschen. Dann Armut und Slums. Elend und Glück liegen nah beieinander. Ich will schnell zurück nach Hause und doch am liebsten nie wieder weg.

Regie: Herzklopf-artiges Trommeln

Wie in Trance klicke ich mich durch die Urlaubsbilder. Waren es 1.000, 2.000, 4.000, 5.000?

Regie: immer schneller werdendes Klicken, dazu immer schneller werdender Atem

Nach 2 Stunden kommt die Erschöpfung – und die Ernüchterung. So funktioniert Urlaub nicht. Der trockene, afrikanische Wind und die Magie der Stadt der Liebe sind auf Facebook einfach nicht real. Urlaub ist nur analog zu haben.

Also steht fest: Nächtes Jahr bin auch ich wieder dabei. Und natürlich wird es dokumentiert, auf Facebook. Mindestens. Alle sollen sehen, wie schön es ist – und mich beneiden. Vor allem die, die zuhause bleiben.