Die App Well with Me stellt dem Nutzer drei Aufgaben täglich, um das eigene Wohlbefinden zu verbessern. Zusätzlich soll sie beim Abnehmen helfen und Freunde sollen einen dabei durch verteilte Smileys unterstützen – eine ideale Bühne für digitale Attentionseeker. Das Ansehen in der Clique erhöht sich mithilfe einfacher Posts von angebissenen Äpfeln oder halbleeren Salat-Tellern. Dass es zur Vorspeise eine Currywurst gab, muss ja niemand wissen.

Mit einem angespuckten Taschentuch entfernt Rebecca letzte Eisreste aus ihren Mundwinkeln. Mmmh. Erdbeerbecher mit Sahne. 450 Kilokalorien. Direkt auf die drallen Hüften. Dabei wollte Rebecca abnehmen. Mit der App well with me. Die hatte Salat vorgeschrieben. 15 Minuten Ausdauerlauf. Und eine halbe Stunde lesen. Drei Aufgaben stellt das kleine Programm pro Tag. Um das eigene Wohlbefinden zu verbessern. Wellness scheint mittlerweile im Grundgesetz verankert.
Alleine abnehmen ist Quälerei. Deshalb setzt die App auf gruppendynamische Erfolgserlebnisse: Freunde werden regelmäßig mit Infos über Schwabbels Trippelschritte auf dem Weg zur Idealfigur behelligt. Und so zur Motivation genötigt: Jedes erfüllte Aufgäbchen wird mit ausufernden Smileyfluten honoriert. Dem exhibitionistischen Zeitgeist entsprechend werden die armen Freunde als öffentliche Kontrollinstanz missbraucht. Sie bauen Erfolgsdruck auf. Bei den Weight Watchers läuft das auch nicht anders.
Well with me bemüht das Erfolgsgeheimnis der sozialen Netzwerke schlechthin: Seelenstriptease mit einer homöopathischen Dosis Kreativität. Fröhlich postet Rebecca Bilder von halbleeren Tellern. Berauscht von der Illusion eines gesunden und zugleich transparenten Lebens. Ein Bild vom gerade vernaschten Eisbecher hat sie allerdings nicht gepostet. Und eins vom Döner davor auch nicht.