Wie Hobby-Entwickler die Spielebranche aufmischen

Amateure machen die besten Spiele (flickr – Ars Electronica Center – CC BY-NC-ND 2.0)

 

Wenn Spieleentwickler mal wieder schlampen oder Experimentierfreude vermissen lassen, übernehmen die Amateure. Die sogenannten Modder verändern Spiele nach ihren Vorstellungen. Die Hobbyentwickler beheben Fehler, bauen Levelerweiterungen, verbessern Grafik und Gameplay. Sie restaurieren und vervollständigen Spiele die von den Entwicklern überhastet auf den Markt geworfen wurden oder stemmen Remakes von Klassikern wie Half Life mit sagenhaftem Arbeitsaufwand und setzen immer wieder innovative Impulse: Counter Strike, das populärste Mobbingopfer der Killderspieldebatte geht ebenso auf eine Mod zurück, wie das Strategiespiel Defense of the Ancients. Das zählt seit Jahren zur Königsklasse des E-Sports und hat reihenweise kommerzielle Nachfolger auf den Plan gerufen. Andere Amateure werfen gleich alle Konventionen über Bord und entwickeln hintersinnige Experimente mit philosophischen Obertönen.

Skript

Gamer gelten gerne als Schreibtischpotatoes. Passive Konsumenten, die klaglos zocken, was ihnen die Industrie in die Konsolen drückt.

Das ist natürlich Blödsinn. Denn quasi seit Anbeginn der Videospielgeschichte basteln Gamer an ihren Lieblingsspielen um sie ihren eigenen Vorstellungen anzupassen. Im Unterschied zu Autoschraubern kommt ihr Werkeln allen zugute. Die sogenannte Modderinnen und Modder bügeln Bugs aus, bauen Zusatzlevel, verfeinern die Graphik und variieren die Spielmechanik.

Als kreative Querdenker benutzen sie bestehende Games für hintersinnige Experimente und hochironische Meta-Games, die Gameskonventionen unterlaufen und philosophische Fragen durchspielen. Andere Modder erfinden gleich mal eigene Genre.

Ob Baller- oder Strategiespiel: Zahlreiche der populärsten Online und E-Sportspiele sind das Werk der Hobby-Entwickler. In Sachen Originalität und Innovation lassen sie die Profis immer wieder alt aussehen.

Andere Modder kümmern sich als ehrenamtliche Nachlassverwalter um von Entwicklern aufgegebene Spiele. Oder werden als engagierte Restauratoren aktiv.

Dem optisch in die Jahre gekommen Shooterklassiker Half Life verpassten fleißige Fans unlängst eine eindrucksvolle Aktualisierung. Ganze acht Jahre arbeiten sie an ihrem Remake. Quasi so verdienstvoll wie Leonardos Letztes Abendmahl vom Dreck der Jahrhunderte zu befreien.

Weil die kreativen Basisarbeiter wissen was Gamer wollen, werden sie auch immer öfter von Spielefirmen angeheuert. Beispielsweise Dean Hall, der Entwickler der enorm erfolgreichen Mod Day Z, kann seinen Endzeit-Simulator jetzt zu einem eigenständigen Spiel ausbauen. Gegen Lohn. Schön, wenn sich Ehrenämter langfristig auch mal auszahlen.