Hobby-Denunzianten sollen zukünftig Parksünder per Smartphone melden – und am Bußgeld beteiligt werden.

Der war’s! Denunziation gibt’s jetzt auch als App. (Dave Kootman | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)

 

Prism und Tempora haben gerade wieder bewiesen: Die Überwachung des Internets nimmt westliche Geheimdienste enorm in Anspruch. Höchste Zeit, dass auch die Bevölkerung selbst ihren Teil zur Verbrechensbekämpfung beiträgt. Die Heimatschutzbehörde im U.S- Amerikanischen Delaware hat unlängst eine App herausgebracht, mit der verdächtige Aktivitäten und Fahrzeuge gemeldet werden können. Damit können besorgte Bürger in Echtzeit zur Terrorismusprävention beitragen. Aber auch bei minderschweren Vergehen soll die Augen der Crowd zukünftig zum Einsatz kommen. Mit der Smartphone-App Spot Squad können Parksünder per Knopfdruck bei Behörden oder Parkplatzbetreibern gemeldet werden. Die freiberuflichen Parkplatz-Spitzel werden mit einer prozentualen Beteiligung am Bußgeld entlohnt: Goldene Zeiten für Nachbarschafts-Denunzianten.

Skript

Hartmut H. ist guter Dinge. Jahrzehntelang hat er in seiner Nachbarschaft Hundehaufenliegenlasser, Mülltrennungsverweigerer und Falschparker polizeilich gemeldet. Lohn oder Dank gab es nicht. Stattdessen musste sich der ehrenamtliche Ordnungshüter oft noch bepöbeln lassen.

Das soll nun endlich anders werden. Mit der Smartphone App Spot Squad kann er zukünftig Parksünder überführen: Einfach das Nummernschild des Parkuhrschmarotzers oder Über-den-Parkstreifen-Stehers eingeben und ein Beweisfoto schießen. Dann werden automatisch Polizei, Ordnungsamt oder Parkplatzbetreiber benachrichtigt. Und Hartmut H. wird am Bußgeld beteiligt.

Nach 15 erfolgreichen Meldungen gibt’s schon 20 Prozent. Satte 40 Prozent bekommen die besten Smartphone Sheriffs. Bei Hartmuts enormer Erfahrung sicher gar kein Problem..

Ein wenig muss er sich allerdings noch gedulden. Die von einem kanadischen Startup ersonnene Spitzel App ist noch in der Beta-Phase. Diesen Juli soll sie bei privaten Parkplatzbetreibern in Winnipeg getestet werden. Die Entwickler hoffen dann auch Behörden für ihre crowdgesourcte Parkpolizei begeistern zu können. Mancher sieht schon Horden von freiberuflichen Blockwarten und passionierten Denunziantinnen durch Anwohnerparkzonen und Parkhäuser patroullieren. Die sich mit Smartphone im Anschlag die Rente aufbessern.

Hartmut hält das für Hysterie links-liberaler Parksünder-Sympathisanten, die Polizei und Geheimdienste bei ihren schwierigen Aufgaben im Stich lassen. Er freut sich darauf sein Hobby nunmehr zum Beruf machen zu können. Es geht ihm natürlich nicht ums Geld. Sondern einfach darum, dass sein Dienst an der Gesellschaft endlich angemessen honoriert wird.