Youtube genießt als musikalische Talentschmiede einen eher ambivalenten Ruf. Doch abseits von Justin Bieber und Gangnam-Style bietet Googles Videoplattform auch ein Biotop für musikalische Nischen: Nerdcore-Rapper reimen über alles was Geeks am Herzen liegt - über Star Wars bis höhere Mathematik.

Echte Rapper kommen aus dem Knast, haben extragroßen Knarren und sind generell die männlichsten Macker im Block. So werden sie zur Projektionsfläche für sozial benachteiligte – und Mittelstandskinder die sich auch mal Outlaw fühlen wollen.

Dabei hat das Internet längst alternative Wortakrobaten hervorgebracht, die mittelständischen Lebenswelten näher liegen. Nämlich Nerdcore: Statt über Kohle, Koks und Vorstrafen rappen sie über Star Wars und Computer, höhere Mathematik und Textadventure.

1_ “Mc Frontalot Archcriminal for some reason not…“

So liebevoll wie selbstironisch umarmen die Geeksta Rapper ihr Uncoolsein. Und werden so zum Sprachrohr der schulhofgeschubsten Nerds dieses Planeten.

2_„Nerdcore-Hiphop is the Soundtrack of my life.“

Da wäre etwa Dan Bull. Der Brite hat sich anfänglich auch mal in Macker-Reimen versucht, mittlerweile rappt er über Dinge, die ihm näher liegen. Beispielsweise über Games wie Bioshock Infinite:

3_ This is for the voices who are unheard/Who never back-talked one word to the Songbird
This is for the second class citizens, and prisoners locked alone

Das Netz ist für den Geeksta Rapper Bühne, Vertriebsweg und Themenfundgrube. Der Eminem des Internets rappt gegen Sopa und Acta, über Facebook und Wikileaks. Und unterläuft auch gerne mal Rap- wie Gamer-Gängige Geschlechterklischees.

In seinem Song zum Spiel Tomb-Raider turnt anfänglich eine knapp bekleidete Lara Croft um ihn herum. Mit der er dann plötzlich die Klamotten tauscht – um in ihren eher unvorteilhaften Hotpants herumzuhüpfen.

Soviel Selbstironie ist von 50cent und Konsorten natürlich nicht zu haben. In Sachen echter Lässigkeit können die Gangster von den Geeks und Nerds eben noch einen Menge lernen.