Die Wirtschaft hat alle Netz-Nutzer soziologisch umfassend analysiert, und trotzdem sind die Konversionsraten von Online-Werbung ziemlich mager. Darunter leidet auch Horst, ein Bratpfannen-Produzent aus der Nähe von Köln. 99,999% seiner Zielgruppe sagen immer wieder nur eines: „Isch möschte nischt.“

Ein Forscher des IT-Konzerns IBM glaubt, dass er Leuten wie ihm helfen kann. Er legt sie auf die Twitter-Couch, analysiert die Wortwahl ihrer Tweets und weiß endlich, was sie wollen. Darauf hat Horst gewartet.

Skript

Irgendwo im Speckgürtel von Köln: der Bratpfannen-Unternehmer Horst schlürft ein Mineralwasser und schaut entgeistert auf die Zahlen seiner letzten Werbekampagne. Da hat er die Werbemaßnahme  immer und immer wieder optimiert und dann das: die blöden Online-Nutzer kaufen ganz einfach nicht.

Gisela sagt: „Nein, isch möschte nicht.“

Dabei hat eine ganze Industrie die Nutzer soziodemographisch vermessen und analysiert. Sie wissen, wo sie wohnen, wie alt sie sind, was sie verdienen und sogar das hier:

„Ich heiße Gisela. Gisela, hab ich doch gesagt.”

Manchmal möchte Horst ganz einfach alles hinschmeißen.

Doch wie so oft kommt die Rettung aus den USA. Ein Forscher von IBM ist überzeugt, dass man all das gar nicht wissen muss. Statt dessen muss man die chronisch Kauf-unwilligen Internetnutzer psychologisch in ihre Einzelteile zerlegen. Aber nicht so altmodisch wie bei Freud. Nein, sie müssen auf die Twitter-Couch, Zwangsanalyse in 140 Zeichen.

Der Forscher hat die Wortwahl von 9 Millionen Tweets gescannt und ist überzeugt: schon nach nur 50 Kurznachrichten kennt er die innerste Persönlichkeit der Nutzer. Und wer die kennt, weiß auch, was die wollen und vor allem: wie man die ansprechen muss. Die einen wollen die harte Tour, die anderen mögen es schmalzig, und die anderen eher billig:

 „Ich bin vom ADAC. Weisste? Wegen Abschleppen.”

Ende des Jahres soll der Super-Algorithmus auf den Markt kommen. Dann könnte er vielleicht doch noch wahr werden, der feuchte Traum von Unternehmern und Marketing-Managern: dass sie Werbung ausliefern können, die passt wie eine Faust aufs Auge.

Es sei denn, die Nutzer sagen auch dann:

„Gisela sagt: „Nein, ich zahl das nicht. Ich wollte doch nicht. Ich hab doch immer gesagt, ich möchte nicht.“ (4:15-4:19)

Und Horst bleibt mal wieder auf seinen Bratpfannen sitzen.