Als der Superrechner Watson vor zwei Jahren zwei menschliche Quiz-Champions alt aussehen ließ, sorgte das für eine große Welle. Nach Deep Bluekonnte erneut ein Rechner das Mensch-Computer-Duell zu seinen Gunsten entscheiden.

Superhirne

Rechner in der Krebsmedizin

Mittlerweile ist IBM dazu übergegangen konkrete Einsatzgebiete für Watson zu finden, um sein Prestigeprojekt langfristig zum Geschäftsmodell auszubauen. Watson, die semantische Suchmaschine, die den Sinn natürlicher Fragen verstehen kann und relevante Informationen in kürzester Zeit aus gewaltigen Datenbanken herausfiltert, wird beispielsweise in der Krebsmedizin eingesetzt.

Watson am Ende der Warteschleife

In Pilotprojekten unterstützt er Ärzte bei ihren Diagnosen. Pläne, menschliche Doktoren langfristig überflüssig zu machen bestehen zwar derzeit nicht. Dafür könnte Watson demnächst Callcentermitarbeitern den Job kosten.

Skript

Superrechner Watson ist stinksauer. Sein Vorfahre hatte einen Schachweltmeister gedemütigt, er selbst zwei Quizchampions düpiert – und damit bewiesen, dass organische Hirnzellen von Gestern sind. In letzter Zeit unterstütze er als elektronischer Onkologe Ärzte bei ihren oft ungenauen Krebsdiagnosen.

Doch dann hatte ihm sein Arbeitgeber IBM eröffnet: Watson, du gehst jetzt ins Callcenter. Das ist ungefähr so als würde man Albert Einstein zum Kopieren und Kaffeekochen missbrauchen.

Aber IBM will sein Prestigeprojekt in Sachen künstlicher Intelligenz endlich monetarisieren. Watson, die semantische Suchmaschine, die den Sinn von Fragen in natürlicher Sprache versteht und in Rekordzeit relevante Fakten aus Datenbanken herausfischt sei der perfekte Kundenbetreuer.

112 Milliarden Dollar geben US Firmen jährlich für Callcenter aus. Aber die Hälfte der 270 Milliarden Kundenprobleme bleibt ungelöst. Die Informationssuche ist zu langsam und uneffektiv. Jetzt soll Watson übernehmen: Denn im Unterschied zu den Callcentermitarbeitern sucht der Superrechner nicht nach Schlüsselworten, sondern nach Zusammenhängen.

Erste Arbeitgeber von Watson werden IBM-Kunden wie die Royal Bank of Canada. Dort kann man Watson dann via Web-Chat, Mail, App oder SMS  mit Fragen löchern.

Für den mindestens auf Weltherrschaft programmierten Superrechner eine enorme Demütigung. Für Callcentermitarbeiter möglicherweise existenzbedrohend. Andererseits: Eine tolle Sache, wenn sich zukünftig Computer an unserer Stelle von frustrierten Kunden bepöbeln lassen dürfen.