Bürgerjournalismus nennen es die einen, Content-Sklaverei die anderen. Wenn Autoren in ihrer Freizeit unbezahlt Artikel für kommerzielle Web-Portale schreiben, ist das vor allem ein ziemlich gutes Geschäftsmodell. Die US-amerikanische Huffington Post ist damit auf eine Firmen-Bewertung von mehr als 300 Millionen US-Dollar gekommen. In Deutschland hat das Konzept allerdings nie so richtig funktioniert, die Readers Edition beispielsweise ist nie abgehoben. Das auch liebevoll HuffPost genannte US-Portal will es dennoch auch hier probieren, mithilfe eines großen deutschen Medienkonzerns. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Von Stefan Mey.

Gibt’s bei Huff-Post nicht: Lohn. (flickr – marsmet531- CC BY-NC-SA 2.0)

Das Internet ist bekanntlich ein Fluch für Verlage. Die Branche bibbert und selbst die etablierten Medien sind verzweifelt.

Und doch bietet das Netz eine geradezu unglaubliche Möglichkeit: hier lassen sich Leute dazu bringen, kostenlos etwas zu machen, für das die Firmen ansonsten viel Geld zahlen müssen. Autoren schreiben in ihrer Freizeit Artikel, stellen sie auf eine fremde Plattform – und schauen dabei zu, wie jemand anders ungeniert die Werbeeinnahmen einstreicht.

Eine rundum tolle Sache. In den USA klappt das wunderbar. Die Gründerin des Portals Huffington Post will schon seit längerem auch den ganzen Globus mit ihrem Konzept beglücken, nun ist endlich Deutschland dran.

Hierzulande hat die Content-Sklaverei bisher nie so richtig funktioniert. Die meisten Leute können sich ganz einfach besseres vorstellen, als für jemanden Inhalte zu erstellen, der sie dann zu Geld macht. Einige Portale haben es bis jetzt probiert.

Doch der Glaube an die Content-Sklaverei ist nicht tot zu kriegen. Die großen deutschen Verlage rannten der Huffington Post die Tür ein und wollten mit ihr zusammen das Projekt umsetzen. Und siehe da: ab Herbst diesen Jahres wird man auch bei uns unbezahlte Artikel für die Huffington Post schreiben können. Halleluja. Endlich wieder was zu tun.