Hilfe zur Selbsthilfe: Mit der Facebook-Anwendung Social Roulette kann man sein sozial-mediales Leben aufs Spiel setzten. Von Tobias Lenartz.

(Thomas Hawk | Flickr | CC BY-NC 2.0)


Das härteste ist immer der Ausstieg: Diese Binsenweisheit gilt nicht nur für Drogenkarrieren, sondern auch für Facebook. Bekanntermaßen macht der Social-Media-Mogul ausstiegswilligen Usern den Abgang so schwer wie möglich und hat seine Löschfunktion deshalb gut versteckt.

Das Ende riskieren

Die Programmierer Kyle McDonald, Jonas Lund und Jonas Jongeja wollten das nicht akzeptieren und entwickelten Socialroulette. Mit dem Facebook-Spiel der subversiven Sorte kann man sein sozial-mediales Leben riskieren.

Eine Chance von 1:6

Mit einer Trefferquote von 1:6 verpasst es dem eigenen Profil den Gnadenschuss und schickt sämtliche Nachrichten, Kontakte, Likes, Fotos wie Spiele unwiderruflich ins digitale Nirvana. Von Facebook wurde der virtuelle Freitod allerdings nicht gerade begrüßt.

Skript

Lebensmüde, aber zu feige sich umzubringen? Dann ist Russisch Roulette genau das richtige. Es kostet erst ein wenig Überwindung, dafür hat man eine spannende Zeit. Besonders angenehm: Über Leben oder Sterben muss man nicht selbst entscheiden. Das übernimmt der Zufall.

So eine ultimative Entscheidungshilfe mag man sich auch für andere Lebensbereiche wünschen. Beispielsweise für Facebook und Konsorten. Wer hat nicht schon mal mit dem Gedanken gespielt seinen Account ins digitale Nirvana zu schicken: Schluss, Aus, Ende mit Likekrampf, Postingpflicht und Social-Games-Terror.

Allen Halbentschlossenen wollen drei Programmierer behilflich sein. Mit Social Roulette. Mit der Facebook-Anwendung der anderen Art kann man dem Zufall seine sozial-mediale Existenz in den Lauf legen.

Dann stehen die Chancen bei eins zu sechs für den finalen Rettungsschuss. Nachrichten, Kontakte, Likes, Fotos und Spiele kann Social Roulette komplett ausradieren. Um dann das Nutzerkonto endgültig zu deaktivieren: Nie klang Freitod fröhlicher.

Aber Loslassen war ja noch nie Facebooks Stärke: Vier Stunden nach dem Launch war das Programm gesperrt. Es generiere eine negative User-Erfahrung und verstoße gegen die Nutzungsbedingungen. Die soziale Datenkrake sorgt sich eben um seine selbstmordgefährdeten User. Deshalb hat es seine eigene Löschfunktion auch gut versteckt und die Prozedur so langwierig wie möglich gemacht. Es möchte schließlich, dass wir und unsere Daten ihm auf Ewigkeit erhalten bleiben.

Anmerkung

Wir fanden die Idee eines sozialen Freitods so faszinierend und amüsant, dass wir ganz übersehen haben, dass wir hinters Licht geführt wurden. Tatsächlich handelt es sich bei dem Tool ganz offenbar um eine Kunstaktion. Am Ende stirbt man gar nicht. Schade eigentlich. Allerdings hat auch Facebook den Machern der Anwendung geglaubt und sie gesperrt.