Facebook wanzt sich an eine neue Zielgruppe heran – den digitalen Hinterbänkler

Spätestens wenn Angie mit dem digitalen Wahlvolk im Hangout chillt, muss sich der analoge Hinterbänkler fragen, wie es mit ihm weitergehen soll. Streng genommen gibt es ihn gar nicht mehr – aus Sicht der digitalen Generation. Sie bemerkt ihn nur, wenn er sich danebenbenimmt und im Auge des Shitstorms residiert. Von Michael Hörz.

Unterhaltungswert wie der Musikantenstadl: Die Facebook-Seite der Kanzlerin.

Doch in der Ferne leuchtet etwas Hoffnungsvolles auf: Facebooks Leitfaden zum „Erfolgreichen nutzen“ des Netzwerks als Politiker.

Erster Schritt: Lolcat as Profilbild und Parlamentstoilette als Wohnort angegeben? Fehlanzeige!

Facebook langweilt sich stattdessen an die Zielgruppe heran und schwurbelt von „einen Dialog beginnen“ und „seine Botschaft bewerten und optimieren“. Der Erfolg in Form von unermesslich vielen Likes sei nur wenige Klicks entfernt.

Das soziale Netzwerk will seine Möglichkeiten auch in dieser Hinsicht eher unbedarften Politikern nahebringen und hat dafür eigens einen Leitfaden verfasst. Kritik gab es unter anderem von Datenschützern, die Politiker auffordern, das Netzwerk nicht zu nutzen. Andere wiesen darauf hin, dass einige Politiker darin genannt würden, ohne ausdrücklich um ihr Einverständnis gebeten worden zu sein. Doch viel wesentlicher: Dieser Leitfaden vergisst die Kernaufgabe von Facebook: Du sollst nicht langweilen.

„Bieten Sie attraktive Erlebnisse“, mahnt das Büchlein. Um dann „Anregungen für das Verfassen von Statusmeldungen“ zu bringen. Wie attraktiv ist das denn? Aber  womöglich zielgruppengerecht formuliert. Ein entsprechender Paragraph in der Hausordnung des Bundestages über „das angemessene Absetzen von Selbst-Mitteilungen im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken“ kommt bestimmt bald.

Und sonst so? Dem digitalen Noob wird ein wöchentlicher Chat mit dem Wahlvolk ans Herz gelegt, vorsichtig formuliert als „Online-Bürgersprechstunde“.

Facebook hat anscheinend die wesentliche Funktion von Facebook übersehen: Bullshit zu bündeln und zu teilen. Harlem Shake im Bundestag mit Merkel mittendrin? Wir warten!