Wenn Käufer nicht mehr entscheiden können, was mit ihrem Produkt passiert.

Es gab einmal eine Zeit, in der Menschen Produkte kauften und damit machen konnten, was sie wollten. Auch wenn sie Geräte umbauten und völlig zweckentfremdeten. Die Haltbarkeit von Geräten wird schon länger eingeschränkt.Seit allerdings immer mehr Produkte per Software gesteuert werden und mit dem Internet verbunden sind, verändert sich das deutlich. Jüngster Fall ist die Cyborg-Brille Google Glass, bei der sich der Hersteller vorbehält, in einer Reihe von Fällen das Gerät zu deaktivieren. Das wird schnell dankbare Nachahmer finden.

Einfach abschalten: Das wünschen sich auch viele Produktmanager. (flickr/(CC BY-ND 2.0/Skley)

Der feuchte Traum eines jeden Produktmanagers: Wenn der Kunde mit dem Gerät nicht genau das tut, was die Firma will, drückt sie einfach auf den roten Knopf. Piff, paff, puff, und schon ist die Maschine zerbröselt.

Wer zeigt nun kühn, dass das kein Traum bleiben muss? Diesmal nicht Apple, sondern Google. Ihr Volks-Cyborg-Produkt Google Glass scheint Menschen in einen wahren Wahn zu versetzen. Die erste Geräte werden für 1500 Dollar verkauft – mit einem ganz klaren Hinweis: Die Käufer dürfen die Datenbrille weder verkaufen, noch verleihen noch „jemand anderem geben“.

Wenn der kleine Google-Nutzer nicht brav ist, setzt es Saures: Google behält sich vor, die Brille zu „deaktivieren“. Dann war’s das mit dem Cyborg-Spaß, und man trägt einen sündhaft teuren Nasenbügel ohne weitere Funktionen.

Andere Firmen werden diese Inspiration dankbar aufnehmen. Microsoft kann bestimmt leicht herausfinden, ob Gewerbe mit billigen Studentenlizenzen arbeiten. Puff, ist der Rechner aus – deaktiviert.

Das Auto mit dem leistungsfähigen Navi und Bordcomputer einfach einem Freund leihen? Deaktiviert!

Nach 22 Uhr den Staubsauger angeschaltet? Deaktiviert!

Oh, unsere Verkäufe bei Großbild-Fernsehern sinken gerade bedenklich? Zeit, zehn Prozent der Geräte zu deaktivieren. Ein ganz neues Berufsbild entsteht: Deaktivierungsfachwirt, häufig angeboten im Doppelstudiengang mit Marketing.

Alte gusseiserne Töpfe, Wählscheibentelefone und Wohnungen mit Funkloch bekommen plötzlich einen ganz neuen Reiz.