Wie Youtubes „Original Channel“ der Glotze Konkurrenz machen sollen.

Dass das Internet das Fernsehen obsolet macht, galt vor einigen Jahren als ausgemachte Sache. Doch das digitale Lagerfeuer namens TV flackert fröhlich weiter. Auch der Löwenanteil der Werbeetats fließt immer noch ins Fernsehen. Netzmogul Google will das endlich ändern.

 

(flickr/autowtich/CC BY-NC-SA 2.0)


In den USA betreibt Youtube bereits seit 2011 über 100 sogenannte “Original Channels”, Kanäle auf Youtube mit Inhalten, deren Produktion Google unterstützt. Ende 2012 starteten 60 weitere Original Channels, darunter erstmals auch ein Dutzend Deutsche. Google will so ein modernes Webfernsehen mit innovativen Formaten etablieren und so Zuschauer wie Werbekunden anlocken.

 

Im US-Amerikanischen Youtube mit durchaus sehenswerten Ergebnissen. Beispielsweise im Creators Project kann man Kreativen aller Sparten, von Indie-Filmern bis Game-Autoren in die Werkstatt gucken. In den 12 deutschen Original Channels, wird Originalität bislang noch überwiegend klein geschrieben.

 

Youtube goes Glotze

Googles Großangriff auf die Glotze geht in die nächste Runde. Original Channel heißt das Zauberwort. Von Youtube vorfinanzierte Videomacher produzieren möglichst innovative Formate zu in der Glotze „unterrepräsentierten Interessen”. Digitale Spartenkanäle, aus denen man sich sein eigenes Programm zusammenabonnieren soll.

 

2011 wurden in den USA hundert Channel gestartet. Jetzt hat Google seine Netz-TV-Offensive ausgeweitet. Unter den 60 neuen Kanälen sind erstmals auch 12 deutsche. Im amerikanischen Netz-TV werden unterhaltsam Geek-Interessen bespielt und sehenswerte Webdokus geboten. Im deutschen Yotube wird Originalität dafür klein geschrieben.

Bei „Ponk“ machen deutsche Youtube-Heroen wie Y-Titty mit Nachwuchsspaßvögeln auf Comedy-WG. Crazy: Zumindest wenn man in einem Neubaugebiet in Böblingen sozialisiert wurde. Bei „Shortcuts“ gibt’s neben semi-spaßigen Kurzfilmchen gutgelaunte Kinonews:

„Hey was geht ab, willkommen zur neusten Runde von Movie-Roundup.“

Hier darf auch Viva-Alteisen Nils Bokelberg sein Gnadenbrot fristen. Ein Fernsehkoch verdient sich mit einer „interaktiven Musik-Koch Show“ ein Zubrot. Internet-TV als Resterampe und Zweitverwertung für Dampfplauderer und Berufsjugendliche.

Ansonsten: Automagazine „mit Anschnallpflicht“, ein „Survival Guide for Parents“ für reifere Zielgruppen. Im Happy and Fit Channel gehts um Yoga, Pilates und Bikini Fit.

“Und natürlich darf das Thema Glück nicht fehlen. Am Freitag im Happiness Channel.“

Das deutsche Netz-TV ist bislang eine konkurrenzlose Ergänzung zur hiesigen Fernsehlandschaft. Man wäre so gerne L.A. – und bleibt Mainz wie es singt und lacht.