Wie aus einem Opfer eine Täterin gemacht wurde.

Es gibt eine Kluft zwischen dem, was wir als angemessen empfinden – und dem, was das Gesetz erlaubt: Selbst ein künstlerisch anmutendes Bild mit sadomasochistischen Praktiken ist zur sparsamen Bebilderung eines Sexblogs verboten.

„Nein. Nicht zärtlich sein. Ficken.“ – Mit dem Anflug eines Lächelns haut Aurelie in die Tasten. Die Bloggerin lässt es gern krachen. In ihren Texten über Sex mit alten Männern. Und Analverkehr.

Von Aurelies Exhibitionismus fühlen sich minderbemittelte Trolle im Netz überfordert.  Chronisch undersexed schreiben sie Hasskommentare und drohen mit Vergewaltigung und Mord. Anonym im Internet. Das Bild einer verstümmelten Leiche schicken sie gleich mit. Angeblich kennen die Pöbler Aurelies Adresse. Sie geht zur Polizei. Ein böser Fehler.

Natürlich sind die Täter unauffindbar. Dafür zeigen die Polizisten Aurelie an. Und behandeln sie erkennungsdienstlich. Um nicht ganz erfolglos dazustehen. Der Vorwurf: die Verbreitung von Pornographie.  Auf ihrem BDSM-Blog. Bonding. Domination. Sadomasochismus.

Die Polizei, dein Freund und Helfer: Angezeigt wird Aurelie für ein Bild auf ihrem Blog. Eine gefesselte Frau beim Fellatio. Frei zugänglich. Für ahnungslose Silversurfer. Und für Kinder. Das ist genauso strafbar wie die Bedrohung, die Aurelie erleiden musste. Beides kann ein Jahr Knast bedeuten.

Nacktfotos hochladen und keine Eier: Aurelie hat jetzt Angst um ihre berufliche Zukunft. Vollkommen unbegründet. Nach Haftstrafen von bis zu einem Jahr können selbst Beamte  zurückkehren – in den deutschen Staatsdienst.