Weil Facebook seit Jahre den “Gefällt mir nicht”-Button verwehrt, kommt jetzt die Hater-App. Christoph Spittler über “Hater”.

Manchmal muss der Ärger einfach raus… (Massimo Regonati/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0)

Liken ist total letztes 2012. Jetzt dürfen wir haten. Seit es den “Gefällt mir”-Button bei Facebook gibt, fordern User den “Gefällt-mir-nicht”-Button. Weil Facebook dem Wunsch nicht nachkommt, gibt es jetzt eine unabhängige App, mit der man seinen Hass öffentlich bekunden kann.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten.

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Cybermobbing?

Auf Justin Bieber zum Beispiel. Oder Adolf Hitler. Oder Neuschnee im März. Oder die kaputte Kaffeemaschine im Büro. Hater heißt die App, die bisher nur fürs iPhone erhältlich ist. Die Frage ist natürlich: Darf man auch die blöde Kollegin haten? Ist die App ein ganz fieses Cybermobbing-Tool? 

Lange haben wir auf den „Gefällt-mir-nicht“-Button gewartet, und jetzt ist es soweit. Nach der Orgie des Likens dürfen wir endlich haten. Die neue Iphone-App, die uns den Gefallen am Missfallen wiedergibt, trägt den schlichten Namen „Hater“ – und ist ein soziales Netzwerk der negativen Gefühle. Man kann darin Links, Fotos, Begriffe posten und sie -  hassen. Also öffentlich hassen. Und das, wie sich’s gehört mit einem dicken Daumen-nach-unten-Symbol. Eine socialnetworkmäßige Kommentarfunktion gibt es auch – denn Wurzeln und  Strukturen des Hasses wollen ja auch diskutiert werden.

Hassen darf man bei „Hater“ alles. Adolf Hitler, den Berufsverkehr und sogar seine eigenen Facebook-Freunde. Beziehungsweise die nervigen Fotos von ihrem tollen Urlaubsrestaurantessen, zum Beispiel. Justin Bieber hat übrigens bisher 147 Hasser, Berlusconi 67 und Ex-Papa Ratzinger 7. Das klingt jetzt wenig, aber die App ist ja noch neu. 

Natürlich öffnet das Cyber-Mobbing Tür und Tor und ist wahrscheinlich total gefährlich, und vielleicht wird „Hater“ bald das neue „I share gossip“ und Millionen Selbstmorde folgen, und was passiert eigentlich, wenn man, jetzt mal zum Beispiel, Juden „hated“? 

Wahrscheinlich sollte man seinen Hass irgendwie in politisch korrekten Grenzen halten und kontrollieren, aber: wer ständig positiv denkt und jeden destruktiven Gedanken runterschluckt, kriegt Krebs. Darum sagen wir: Hass – Gefällt mir.

Seltsam nur: in der Hater-Community kann man Freunde haben – aber keine Feinde.

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