Wird das Chirurgentraining bald durch Apps ersetzt? (Army Medicine/flickr.com/CC BY 2.0)

Und wieder sind einige Wochen ins Land gegangen, mit Netzreportern und Themen, die gern einmal Netzreporter geworden wären. An dieser Stelle wird den kleinen und großen Kuriositäten aus dem Netz noch einmal gedacht. Diese Woche blickt der Restenetzreporter ehrfürchtig nach Rom, übt zum Zeitvertreib eine Blinddarm-Op mit der neuen Touch Surgery App, dealt mit Secondhand-Software um sein Taschengeld aufzubessern, lacht ein bisschen über den erfolglosen Steve-Jobs-Nachfolger Tim Cook und baut sich ein cooles Knight-Rider-Auto in Gedenken an David Hasselhoff, denn der will ja schließlich die East-Side-Gallery retten. 

Von Gemeinsamkeiten zwischen Papst und Facebook, die Vorteile einer OP-App und die Frage, warum Secondhandsoftware Menschen verbindet.

Obwohl alle so tun, als würde es sie nicht interessieren, sorgte in der letzten Woche die Wahl des neuen Papstes für Gesprächsstoff. Die Figur des Papstes ist ein großes Phänomen, um nicht zu sagen ein Mysterium. Denn eigentlich fragt man sich: Wer mag eigentlich den Papst? Häufiger als Papst-Anhänger trifft man doch solche, die mit der Rolle des Kirchenoberhauptes so rein gar nichts anfangen können. Gerne schimpfen wir auf die antiquierte Institution der katholischen Kirche, die unglaubwürdigen Dogmen, die Borniertheit der Kirchenväter, wenn es um Themen wie Abtreibung, Homosexualität oder die Rolle der Frau geht. Auch die Missbrauchsfälle haben den Ruf des heiligen Stuhls beileibe nicht verbessert. Und trotzdem: Selbst die überzeugtesten Atheisten sind zumindest ein kleines bisschen gespannt, wenn die Kardinäle eingekerkert in der Sixtinischen Kapelle den nächsten Papst wählen, den neuen heißen Draht zu Gott sozusagen. Schön anzusehen auch der nette Brauch mit dem weißen und schwarzen Rauch.

Ein liebenswertes Urzeitreptil scheint der Papst zu sein, ein vollkommen altmodischer Repräsentant einer vergangenen Zeit und vielleicht gerade deswegen faszinierend. Zumindest ist dies die einzig sinnvolle Erklärung, warum der 85-Jährige Papst Benedikt XVI. es schaffte, auf seinem Twitteraccount @pontifex 2.5 Millionen Follower zu vereinen. Nun hat Benedikt aus freien Stücken den heiligen Stuhl geräumt, kurz nach seinem Rückzug wurde auch sein Twitteraccount gelöscht. Was nun aus seinen 2.5 Millionen Schäfchen und deren Seelenheil wird, interessiert im Vatikan niemanden so richtig. Der Neue, Franziskus I. sein Name, gilt bereits nach wenigen Tagen im Amt als volksnah und sozial fortschrittlich. Wer weiß, vielleicht bringt Papst Franz seinen Segen ja bald auch zu Facebook. Auf der Plattform mit den äußerst hohen Moralvorstellungen und regen Zensurtätigkeiten ist der heilige Vater in jedem Fall hervorragend aufgehoben. Und gutgläubige Menschen, die gerne teilen, findet er hier auch zu Hauf.

Von Seelenheil zu menschlichem Innenleben. Eine neue Innovation im Bereich der chirurgischen Ausbildung kommt nun in Form der neuen Touch Surgery App. Auf iPad oder Smartphone können angehende Ärzte und auch Laien damit ganz bequem zu Hause auf dem Sofas Blinddarmoperationen, Armamputationen oder Luftröhrenschnitte üben. Auch gerne dabei essen, denn die unappetitlichen Nebeneffekte wie Blut an den Händen oder unangenehme Gerüche erspart die App selbstredend. Mit einem sanften Wisch über das iPad säbelt ein Skalpell fein säuberlich das gewünschte Körperteil auf, ein weiteres Wischen und schon beginnt das fröhliche Herumschnippeln mit Schere, Tupfer und allem was dazugehört. Die Fachwelt ist begeistert, neue Möglichkeiten eröffne dies gerade für die zeitlich oft so eng geplante Ausbildung junger Chirurgen. Außerdem vermittle die häufige Wiederholung ein Gefühl von Sicherheit, das den Ärzten im Berufsalltag helfe, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Eine Test-Funktion erlaubt dem angehenden Chirurgen zudem, seinen eigenen Fortschritt nachzuverfolgen und die eigenen Fähigkeiten zu evaluieren. Angst davor, dass einige Laien ihr erlerntes Neuwissen gerne im Wohnzimmer an der eigenen Großmutter üben wollen, scheinen die Programmierer nicht zu haben. Genausowenig wie die, dass junge Chirurgen zukünftig das Zunähen einfach bleiben lassen. Bei der App war der Bauch ja auch mit einem kurzen Wisch wieder zu.

Nicht so neu wie die Touch Surgery App aber dennoch spannend ist das Secondhand-Geschäft mit digitalen Waren. Ähnlich wie bei anderen Produkten hat der User schließlich bares Geld für Ebooks und Co. gezahlt. Geschäftstüchtig wie wir nun einmal sind, wollen wir daher von unserem Besitzrecht Gebrauch machen und alte Dinge, die wir nicht mehr brauchen, wieder in bares Geld umwandeln. Verboten ist das nicht, solange das Urheberrecht dabei nicht verletzt wird. Pfiffig wie eh und je hat Amazon daher eine Marktlücke entdeckt und bietet seit kurzem die Möglichkeit des digitalen Secondhandshoppings. Nutzer können hier ihr digitales Eigentum weiterverkaufen, indem sie die Zugangsrechte einfach wieder abgeben. Nach der Transaktion kann der ursprüngliche Besitzer nicht mehr darauf zugreifen, da alle Zugangsmöglichkeiten von Amazon gelöscht werden. Aufwendig ist das Ganze allemal, denn schließlich muss Amazon sicherstellen, dass sämtliche Daten vorschriftsmäßig gelöscht werden. Auch den Jubel, der Secondhandhandel eröffne neue Möglichkeiten der persönlichen Vernetzung, da man die Vorbesitzer des Erworbenen zurückverfolgen kann, wird nicht jeder teilen. Denn dafür, dass wir niemandem mehr vertrauen, der uns was von Datenspeicherung erzählt, haben Google und Facebook in den vergangenen Jahren schließlich ausreichend gesorgt.

Wer ist eigentlich nochmal Tim Cook und seit wann ist eigentlich David Hasselhoff wieder cool?

Er hat Microsoft-Gründer Bill Gates den Kampf angesagt, den IT-Markt revolutioniert und den Rollkragenpullover wieder in Mode gebracht: Die Rede ist von Apple-Gründer Steve Jobs. Seinem Nachfolger hingegen ergeht es leider nicht so rosig, er schien in der letzten Zeit ein eigenes Markenzeichen zu entwickeln, das lange nicht so beeindruckend ist wie das goldene Händchen des Apple-Übervaters Jobs. Denn nach den letzten sechs Malen, bei denen Tim Cook vor einem größeren Publikum sprach, fiel die Apple-Aktie (AAPL) schlagartig um einige Prozent. Das Drama begann im Oktober 2012, als Cook das neue iPad mini vorstellte. Seitdem geht es steil bergab, wo Cook auftaucht, da fällt AAPL. Im April tritt der Apple-Vater wieder einmal vor die Medien. Man muss sicherlich nicht erwähnen, dass die Medien gespannt ihre Blicke gen Börse richten werden.

Und zum Schluss: Na gut, wir müssen relativieren. Die neue Auto-Technologie, an der Volvo gerade zusammen mit dem Streamingdienst Spotify bastelt, versucht nicht wirklich, David Hasselhoffs sprechende Karre K.I.T.T. nachzuahmen. Dennoch müssen wir unweigerlich an Hasselhoffs Föhnfrisur und sein sprechendes Wunderauto denken, wenn wir von einer Kooperation zwischen Spotify und Volvo erfahren. Es geht um eine stimm-navigierte Version des Spotify-Services, die Volvo als Teil seines neuen Sense-Connected-Navigation-Systems in die Armaturenbretter seiner neunen Auto-Modelle integrieren will. Ein Touchscreen ist ebenfalls vorhanden, für alle denen es widerstrebt, sich mit ihrem Armaturenbrett zu unterhalten. Jeder, der Spotify schon einmal benutzt hat, wird auch dieses neue Spielzeug einfach bedienen können. Erscheinen soll das Gerät im Mai. Und vielleicht kommt ja als nächstes dann doch ein Wunderauto, dass mutigen Männern mit hübschen Haaren beim Weltretten behilflich ist.