Kristina Schröders Kinderserver leidet an Kinderkrankheiten.

Wie lange die lieben Kleinen wohl brauchen, um den Kinderserver auszutricksen? (Thomas Helbig/flickr.com/CC BY-NC 2.0)

Sicheres Surfen für Grundschulkinder ohne Einschränkung der allgemeinen Netzfreiheit: Der Anspruch des soeben von Familienministerin Kristina Schröder gestarteten Kinderservers klingt durchaus vernünftig. Wird er auf Windows oder Mac-Rechnern installiert oder per Addon in Firefox oder Chrome integriert, leitet er den gesamten Internetverkehr über einen so genannten Proxyserver um. So landen die lieben Kleinen statt auf bösen Seiten in einem Surfraum vorab festgelegter Internet-Adressen.

Aber nicht nur die Filterpolitik ist nicht unumstritten. Wie Heise und Chip belegten, ist die Sicherheit des Kinderservers eher suboptimal und lässt sich kinderleicht außer Gefecht setzen.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Gated Community – für Kinder

Sicheres Surfen für Grundschulkinder ohne Netzsperren für Alle. Unter diesem hübschen Anspruch hat das Familienministerium soeben den Kinderserver gestartet.

Mit dessen Hilfe können fürsorgliche Erziehungsberechtigte den gesamten Internetverkehr des Nachwuchses über einen Proxyserver umleiten lassen. So landen die lieben Kleinen in einem kindersicheren Surfraum statt zufällig auf bösen Seiten. 

Der speist sich aus der Whitelist von Kindersuchmaschinen und lässt außerdem nur Seiten mit Altersfreigabe zu. Die Websites von Kindertanzgruppe und Vorschulyoga können Eltern selbstständig ergänzen.

Hurra: Die Politik hat offenbar seit der Netzsperrendiskussion dazugelernt. Statt das gesamte Internet zum virtuellen Ponyhof zu infantilisieren, setzt man nun auf externe Kinderschutzmaßnahmen. Vorbildlich – aber ausbaufähig.

Programmgemäß funktioniert der Filter recht rigide. Nackte Haut gibt’s keine. Aber auch Nachrichtenportale von Bild bis Süddeutsche werden großräumig abgesperrt. Selbst Wikipedia wird ausgefiltert. 

Zwar bietet die Online-Enzyklopädie einige Informationen, die Grundschulkinder noch nicht einordnen können. Vatis eingestaubter Brockhaus gehört dann ab sofort auch in den Giftschrank.

Gerade die Sicherheit des Kinderservers ist reichlich porös. Etwa über Taskmanager oder Systemsteuerung kann er kinderleicht ausgeknipst werden. So können Achtjährige ihre Hackerkarrieren starten.

Das ist den Machern durchaus bewusst. Sie wenden sich explizit an kooperative Kinder und aufmerksame Eltern. Vertrauensvoll: Aber etwas höhere Sicherheitshürden wären schon schön. Die kleinen Hacker von Morgen wachsen schließlich an ihren Aufgaben.

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