Matthias Finger darüber, was passiert, wenn das Wissen der Welt nur von Männern zusammengetragen wird. 

Wikipedia ist ein ER (sonnentau/flickr.com/CC BY-NC 2.0)

In der Wikipedia tut sich ein deutliches Gendergap auf. Wie diese Infografik zeigt. Die meisten Autoren sind Männer. Ist es gefährlich, wenn die Standpunkte von Frauen in der Sammlung des kompletten Weltwissens überhaupt nicht vorkommen? Eine Frau kämpft jetzt dagegen an.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Das Männerbiotop

Sarah Stiersch hämmert stumpf auf ihre Computertastatur. Zum Frustabbau. Die Wikipedia erweist sich immer wieder als Habitat für unzivilsierte Männerhorden. Testosteronstrotzende Freiwillige pöbeln gern gegen andere Autoren. Sie löschen Einträge. Und sie beißen mit großem Vergnügen Frischlinge weg. Besonders weibliche. Anthropologisch gesehen ähnelt diese Meute den Urmenschen. Im Vergleich zur Menschheitsgeschichte hat unsere digitale Sozialisierung gerade erst begonnen.

Bisher erklärt die Onlineenzyklopädie unsere Welt fast nur aus männlicher Sicht. Doch Wikipediamitarbeiterin Sarah Stiersch organisiert den Widerstand gegen das digitale Patriarchat (diese systematische Voreingenommenheit). Über Twitterfeeds, Blogs und Facebookseiten. Weil weibliche  Meinungen keinen Platz haben in der größten Sammlung des menschlichen Wissens, der Wikipedia.

Unter den Autoren herrscht das gleiche Geschlechterverhältnis wie unter Programmierern und Startupgruendern. Auf neun Männer kommt eine Frau. Ein Gendergap. Im zivilisatorischen Niemandsland  des Internets muss Gleichberechtigung mühevoll erkämpft werden. Freiwillig geben die Herren ihre Spielwiese Wikipedia nicht her. (Laut) Schnaubend trommeln sie mit ihren Fäusten auf die Brust und markieren ihr Revier.

Die Frauen halten sich subtil zurück. Und schmunzeln nur über das Machogehabe in der Wikipedia. Welch kleiner Preis für den enormen Wissenschatz! Noch! Vielleicht überlassen sie den eitlen Platzhirschen ja nur liebend gern die kleinteilige Infoklauberei im Vorfeld. Sozusagen die Drecksarbeit im binären Morast. 

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