Wie chinesische Kampfkunst in digitalen Zeiten aussieht. Stefan Mey  über einen neuen chinesischen Volkssport.

Die Zeit ist reif für Bruce Lee 2.0 (Scott Blake/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0)

 Eine Armada gut ausgebildeter Hacker attackiert ununterbrochen westliche Infrastruktur. Eine US-Studie hat dieses Gerücht mal wieder befeuert und eine konkrete Gruppe identifiziert, die im Regierungsauftrag handeln soll. Das Attackieren fremder Rechner scheint zu einem chinesischem Volkssport zu werden, einem Kung Fu 2.0, von dessen virtuoser Beherrschung die modernen Träume chinesischer Kinder handeln.

Wenn die neue Sexiness beim Programmieren eines Tages auch in Deutschland ankommt, könnte das aber vielleicht ein großes Problem lösen: den immer stärker werdende Mangel an hiesigen IT-Kräften.

 

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 


Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Bruce Lee 2.0

Wir schreiben das Jahr 2013. Es herrschen düstere Zeiten. Dutzende Firmen, Abteilungen und Agenturen in China arbeiten rund um die Uhr daran, dem Westen seine geheimsten Geheimnisse zu klauen. Armeen gut ausgebildeter Hacker dringen regelmäßig in die gesicherten Server großer Konzerne und mächtiger Regierungsbehörden ein. Hacking ist dort zum neuen Volkssport geworden.  Gerade hat mal wieder eine US-Studie eindringlich vor der Gefahr aus dem riesigen Reich der Mitte gewarnt. 

Die ganze Welt bibbert vor dessen Cyber-Kampfkünstlern – wie vor Jahrzehnten vor den Kung-Fu-Schlägen harmlos wirkender Chinesen. 

Während der kleine Chen und die kleine Lien im 20. Jahrhundert gefürchtete Kampfsportler werden wollten, haben sie jetzt einen neuen Traum: sie wollen einmal eine Hacker-Kampfmaschine sein, im Auftrag der Partei. 

Gekonnte Handkantenschläge und fiese Magen-Darm-Tritte sind out, jetzt geht es um den virtuosen Umgang mit tödlichen Computer-Befehlen. 

Die wirkliche Schreckens-Ära von Bruce Lee 2.0 steht noch bevor. Der Westen kann einpacken. Vielleicht aber hilft uns das ganze bei einem heimischen Problem, per Idol-Import aus dem Reich der Mitte. 

In Deutschland fehlt es an IT-Nachwuchs. Klar. Viele Jugendliche finden es gähnend langweilig, Codezeile für Codezeile in Tastaturen zu hämmern.  

Wenn die Globalisierung die Legende vom Kung Fu 2.0 hierher spült, betteln bald auch der kleine Lukas und die kleine Luise ihre Eltern an: „Bitte, Papa, lass uns einen Programmierkurs machen. Das ist so cool.“ Problem gelöst. Auch von China lernen heißt manchmal – siegen lernen. 

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