Das Sitzverhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln und seine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Chris Köver vom Missy Magazin erinnert sitzen in der U-Bahn bisweilen an raumgreifenden Imperialismus.

Männer haben ihre ganz eigene Art, öffentlichen Raum zu nutzen (Eva Freude/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0) 

Sie sind vor allem in Bussen und Bahnen zu finden. Dort besetzten sie mehr als zwei Sitze und verteilen ihre Körperlichkeit gerne in ihrer gesamten Umgebung. Die Rede ist von Männern, die sitzen, als würde ihnen der gesamte Raum gehören. Breitmachmacker.

Kollektive Notwehr

Im gleichnamigen Tumblr-Blog der Bloggerin “ghostgrrrl” kann man besonders schöne Exemplare dieses Stereotyp männlichen Sitzverhaltens bewundern - und eigene Fallbeispiele hochladen. Eine Art kollektive Notwehr gegen die Vereinnahmung des Fußraumes, die überaus eindrucksvoll das Verhältnis zwischen den Geschlechtern widerspiegelt.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

 

Breit aufgestellt

Sie besetzen in der U-Bahn mindestens zwei Sitze und okkupieren Armlehnen als seien sie Kleinstaaten, Die Rede ist von:  denen, die in unserer Gesellschaft als Männer aufwachsen. Wie einst ihre Vorfahren zu Lebzeiten von Columbus denken sie auch heute noch vor allem Richtung raumerschließende Expansion – ihre Kolonien: Nebensitze und Fußräume. 

Wie eindrucksvoll das bisweilen aussieht, kann man in einem Tumblr-Blog bewundern. Auf der Seite mit dem wohlklingenden Namen „Breitmachmacker“ können UserInnen Schnappschüsse besonders schöner männlicher Sitz- und Raumpolitik veröffentlichen. Männer, die sitzen, als müsste zwischen ihren Knien noch eine weitere imaginäre Person Platz finden, die Beine in einem eindrucksvollen Winkel gespreizt.  Daneben, meist  sehr klein zusammengefaltet: eine Frau. Die offenbar lieber in dieser Pose verweilt, als sich am warmen Knie ihres Sitznachbarn zu reiben. 

Diese Bilder gewähren nicht nur faszinierende Einblicke in den männlichen Schritt, sie sagen auch in wenigen Sekunden mehr über männliches Dominanzverhalten als ein halbes Genderstudies-Seminar. 

Für die Bloggerin @grrrlghost, die die Seite gegründet hat, sind die Bilder aber mehr als lustig, sie sind vor allem auch Notwehr. Sie fordert auf: „Demonstrativ aufstehen, ansprechen, fotografieren!“

Also, statt noch kleiner Zusammenfalten – Handy raus, abdrücken, Foto hochladen. Wider die Besatzung des Fußraumes.

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