Eine antikapitalistische Abstimmung mit den Stimmbändern. Stephan Mey über das umstrittene Lied “Happy Birthday”.

Damals war die Welt noch in Ordnung (Jodi Green/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

Das unschuldig klingende Lied “Happy Birthday” ist für Anhänger freier Inhalte Teufelszeug. Die Rechte gehören der Warner Music Group, die für öffentliche Aufführungen die Hand aufhält. Eine US-Initiative hat sich deswegen ganz einfach einen alternativen Geburtstagsklassiker gesucht. “It’s your birthday“ heißt der Gewinner des Wettbewerbs, ausgewählt von einer Jury. Jetzt muss der Song nur noch die globale Abstimmung mit den Stimmbändern gewinnen – und tatsächlich auch gesungen werden.

 

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.
Singen und die Welt verändern 
Mit dieser Schmalz-Ballade hat in den 80ern Jahren jeder langhaarige Öko ausgedrückt, dass er von einer kuscheligeren Welt träumte. Wer es handfester mochte, sang schon immer das hier:  

Es gibt Lieder, mit denen zeigt man sein Weltbild. Mit diesem Gesangsstück ist es ganz anders. Politisch ist der, der es nicht singt.  

Befürworter freier Inhalte halten es für einen Trojaner des Kapitalismus, der auch noch die harmloseste aller Veranstaltungen unterwandert: den Kindergeburtstag. Auch Sie, liebe Zuhörer, haben dieses perfideste aller Gesangseinlagen bestimmt schon einmal angestimmt. 

 Für das Lied, das die ganze Welt ahnungslos trällert, hat der US-amerikanische Musikkonzern Warner einst die Rechte gekauft und melkt es seitdem wie eine Kuh. 2 Millionen Dollar soll es pro Jahr an Lizenzgebühren bringen. 

Diesen kapitalistischen Auswüchsen hat ein US-amerikanischer Wettbewerb ein Ende bereitet. Mehr als 140 Alternativen zum bekannten Geburtstagslied wurden eingereicht und unter eine freie Lizenz gestellt. Einige von denen klingen allerdings eher wie Katzengejammer.  Andere allerdings sind gut.

Der Sieger ist der hier: “Its your birthday”

Schön. Dieses Lied kann nun von wirklich jedem zu jeder Gelegenheit gesungen und aufgeführt werden, ohne Griff in den Geldbeutel. Die Ausbeutung des Geburtstagsgeistes ist Geschichte. 

Der einzige Haken daran: die Revolution im Kleid eines Geburtstagsständchens findet nur statt, wenn auch genügend Leute mitmachen. Und das ist bekanntermaßen alles andere als einfach. Ein gewisser Karl Marx könnte ein Lied davon singen. 

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