Wie das Smartphonezeitalter Couch-Potatoes in hippe Szenegänger verwandelt. Tobias Lenartz über Leute, die ein exzessives Partyleben simulieren.

Partyfotos ohne das Haus zu verlassen? Kein Problem! (Garry Knight/flickr.com/CC BY-SA 2.0)

Alle Facebook-Freunde sind auf der Piste, nur man selbst sitzt mal wieder zu Hause. Wer von Job, Familie oder Masseträgheit an seinen sozial-medialen Repräsentationspflichten gehindert wird, bekommt jetzt Unterstützung. Mit der Smartphone-App CouchCachet kann man sich ein exzessives und trendsicheres Partyleben simulieren.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Virtuelle Partylöwen

Samstag Abend. Die Batterien sind leer, das Sofa weich. Noch eine Folge Mad Men, dann ins Bett. 

Vorher kurzer Social-Media Check: Draußen tobt wie immer das Leben. A ist backstage bei einer Indie-Band, deren Namen man längst gehört haben müßte. B postet Fotos vom Muster im Milchschaum aus DEM Coffeshop in New York. C hat gerade den hippsten Club des nächsten Jahres entdeckt. 

Kein Grund mehr für Neid, Niedergeschlagenheit oder Midlife-Crisis. Wen Job, Familie oder Masseträgheit an sozial-medialen Repräsentationspflichten hindern, der wird jetzt von der Couch aus zum Szene-Hecht.

Durch CouchCachet. Die Smartphone App checkt sich automatisch an angesagten Locations auf Foursquare ein. Mit Fotos fiktiver Clubbekanntschaften, herausgefiltert bei Instagramm, wird das Trendsetter-Image weiter verifiziert. Ohne Kosten und Kater kann man seine Freunde mit dem eigenen Partyleben beschämen.   

Um peinliche Enttarnungen zu vermeiden, sucht die App nur nach Orten, die die eigenen Freunde nie besucht haben.

Ursprünglich als Gag gedacht, soll die zukunftsträchtige Idee zum Geschäftsmodell ausgebaut werden. Wenn sich Politiker, Stars und C-Promis Freunde und Follower kaufen, sollte 

schließlich jeder seine Onlinereputation aufpumpen können. Erfahrungen wurden lange genug überschätzt. Heute wissen wir: Nichts ist realer als unser Image.

Neben Kulturpessimisten dürfte das auch die fleißigen Datensammler bekümmern. Ihr Bemühen aus unseren Postings goldwerte Kundenprofile zu basteln, wird durch fiktionale Freizeitaktivitäten ganz gemein sabotiert.

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