Mit analogen Anschlägen, digitaler Progaganda und technologischer Kriegsführung kämpfen Schwaben für einen Freistaat Schwabylon im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Tobias Lenartz über schwäbisch-stämmige Separatisten, die in Berlin ihr Revier markieren.

Die Schwaben rüsten sich für den großen Kampf (Gaspar Torriero/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0)

 Die aufgeregten Abwehr-Reaktionen auf Wolfgang Thierses sogenannte Schwaben-Schelte steuerten überwiegend am eigentlichen Kern vorbei. Schließlich ging es Thierse bei seinen zugegebenermaßen recht salopp simplifizierenden Äußerungen nicht vornehmlich um die Zementierung Altostberliner-Leitkultur und pauschale Diskreditierung von Neu-Berlinern der suebischen Volksgruppe. Sondern um die Problematisierung von Symptomen der Gentrifizierung und die Verwandlung sozial heterogener Patchworkbezirke in homogene Enklaven für Besserverdiener.

Autonomer schwäbischer Bezirk

Oder sollte an wohlfeilen Feindbild der schwäbischen Invasoren doch etwas dran sein? Während die Hipster Antifa Neukölln versucht Touristen, Hipster und die sogenannten Alteingesessenen von einer fruchtbaren Koexistenz zu überzeugen – ein redliches Anliegen mit diffuser Programmatik. Andere setzen hingegen auf Konfrontation. Die Gruppe Freeschwabylon führt ihren Kampf um einen autonomen schwäbischen Bezirk auf Berliner Boden mit allen analogen wie digitalen Mitteln.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 


Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Schwäbische Seperatisten

Die Aufregung um Wolfgang Thierses vermeintliche Schwaben-Schelte hat sich etwas beruhigt. Doch der boulevardesk banalisierte Konflikt um die Gentrifizierung Berliner Bezirke ist beileibe nicht beigelegt. 

Denn die Schwaben schlagen zurück. Auf freeschwabylon.tumblr.com proklamieren sie ihre Forderungen nach einem autonomen Bezirk in Berlin.

Im Freistaat Schwabylon, vormals Prenzlauer Berg „soll niemand unter menschenunwürdigen Bedingungen in Discountern arbeiten. Biomärkte werden die Stätten schwabylonischen Selbstbewusstseins sein.“ Straßen und Plätzen sollen nach großen schwäbischen Arbeitsmigranten wie Einstein und Hegel benannt werden.

Der militante Arm der Schwabylonier demonstrierte seine Entschlossenheit. Durch Spätzle-Attentate und Mauern aus Maultaschen um das geforderte Staatsgebiet.

Auch ihre Facebookseite versorgt mit Proklamationen und Bekennerschreiben. Als anständige Seperatisten haben die Wutschwaben bereits eine National-Hymne auf Youtube lanciert.

Heidi Tiemann, die Joan Baez von Böblingen, besingt hier schwäbische Grundwerte.

Technologisch nutzen sie jedes Mittel kultureller Propaganda: Die revolutionäre Spätzle-App: Scrape with Friends sei kurz vor der Fertigstellung. 

Mancher mag da vermuten, dass sich hinter den schwäbischen Seperatisten subversive Gentrifizierungsgegner verbergen. Die die engültige Transformation Berliner Patchwork-Bezirke in Enklaven für Besserverdiener satirisch vorwegnehmen.

Dabei haben die realen wie geistigen Söhne und Töchter der Schwabylonier analoge Tatsachen geschaffen. Auf dem Gebiet des einstigen Problemkiez Neukölln, wurde klammheimlich der Stadtstaat Hipsterville gegründet. 

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