Ein YouTube-Viral macht Billigwaren mit voller Produktionstransparenz zum Klickhit. Nina Molter über Moral und Unmoral im Supermarkt.

Ja im Herzen, da sind wir alle Öko-Hippies (sallycreates/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

Die Deutschen bilden sich ein, sehr konsumbewusst zu sein. Und eigentlich, ja eigentlich mögen sie auch keine Kinderarbeit, Pestizide, Regenwaldrodung und andere schlimme Dinge, die so oft den Produktionsprozess von Nahrungsmitteln und Textilien bestimmen.

In einem Video, das seit Kurzem im Netz kursiert, beweist das fiktive Unternehmen “Agraprofit” nun, dass selbst die Aufklärung über umweltschädigende und menschenverachtende Produktionsverfahren nicht alle Kunden davon überzeugt, auf Billigprodukte zu verzichten.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Die Guten, die Bösen und der Bio-Boom?

Ja wir wissen es alle. Konsum ist schlecht, Globalisierung auch, und wer heute noch guten Gewissens Fleisch essen kann, dem fehlt jeglicher Realitätssinn.

Aber man muss relativieren. Die Deutschen sind nicht so schlimm wie zum Beispiel die Amerikaner. 

WIR haben voller Entrüstung den Film „We feed the World“ gesehen. Seitdem bestellen wir beim Italiener statt Thunfisch-Pizza eben eine mit Sardellen. Oder gleich die vegane ohne alles. Und wenn in Pakistan wieder eine Textilfabrik brennt, dann gibt es niemanden der lauter protestiert als wir.

Wir sind die Guten. 

Dachten wir. 

Doch seien wir mal ehrlich. Deutschland ist das Land der Schnäppchenjäger.  

In einer Guerilla Kampagne fühlte deshalb das fiktive Unternehmen „Agraprofit“ dem ach so bewussten Konsumverhalten der guten Deutschen auf den Zahn. 

Mit Slogans wie „Kinderarbeit – Dann sind sie wenigstens weg von der Straße“ und „Realität akzeptieren-Profit maximieren“ priesen Mitarbeiter ihre Ware auf einem Wochenmarkt an.

Bananen für 20 Cent, garantiert gewerkschaftsfrei oder Eier aus gemütlichen Legebatterie-WGs.  

Das Youtube-Video der Aktion war ein voller Erfolg. Innerhalb weniger Wochen ist der Clip über 300.000 mal aufgerufen worden. 

Inzwischen sorgt das Video in zahlreichen Blogs für Aufsehen. Und alle Kommentare in all den Blogs zeigen. Wir, ja wir stehen auf der richtigen Seite. 

Bleibt nur die Frage, wo kommen all die anderen her, die Lasagne für 1,29 Euro kaufen wollen?

 

Weitere Informationen und Links zum NETZ.REPORTER bei FacebookTwitter und Google+.