Die Legende vom sauberen Krieg: Tobias Lenartz über die Diskussion um Kampfdrohnen für die Bundeswehr. 

Wenn schon Krieg, dann wenigstens von schön weit weg (westpark/flickr.com/ CC BY-NC-ND 2.0)

Die Zukunft der Luftfahrt ist unbemannt, zumindest aus der Sicht von US Militärs. Die Airforce soll mittlerweile mehr Drohnen-Steuerer ausbilden als Piloten. Und die kontrovers diskutierte Technik macht rasante Fortschritte.

Konnte man vor drei Jahren gerade mal 12 sogenannte UAVs gleichzeitig in der Luft halten, sind es mittlerweile 50. Für die nächsten 30 Jahre ist eine massive Ausweitung der Drohnenflotte geplant.

Um die Drohnen-Krieger für ihren Ferneinsatz zu ehren, hat das Pentagon gerade eine neue Medaille eingeführt. Auch Verteidigungsminster Thomas de Maizière plant Kampfdrohnen für die Bundeswehr – und stößt damit auf breitenWiderstand.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Deutsche Drohnenträume

Was Obama und die anderen großen Jungs haben, wünscht sich auch der Verteidigungsminister. De Maizière will bewaffnete Drohnen, um deutsche Soldaten aus der  Luft zu unterstützen.

Effizienter, präziser und kostengünstiger seien die ferngesteuerten Flugzeuge. Überhaupt sind Drohnen für westliche Demokratien eine super Sache. Soldaten in Leichensäcken lassen sich schließlich schwer vermitteln.

Toll: Krieg dauert bald nur noch von Neun bis Fünf, danach geht’s heim zur Familie. Gesundheitsrisiko: Bandscheibenvorfälle vom vielen Sitzen vorm Rechner.

Aber der Krieg via Joystick und Bildschirm wirkt offenbar weniger virtuell als vermutet. Drohnenpiloten leiden ebenfalls an posttraumatischen Belastungsstörungen.

Auch die fantastische Zielgenauigkeit ist relativ. Präzise operieren die Drohnen wo Terroristen zuhause sind. Und da wohnen naturgemäß noch andere.  Der saubere Krieg hat hässliche Flecken.

Der Plan des Verteidigungsminsters stößt auf parteiübergreifende Kritik. Die vermeintlich sanften Waffen könnten die Hemmschwellen für Militäreinsätze senken, ein neues Wettrüsten ankurbeln, seien völkerrechtlich umstritten, und könnten durch Defekte zufällige Kriege provozieren.

Laut de Mazière sind nicht die Drohnen das Problem, sondern was wir mit ihnen anstellen. Wir würden den Amis schließlich nicht alles nachmachen.

Derweil fürchten andere den nächsten Entwicklungsschritt im Roboterkrieg. Die selbständig fliegende und ballernde Drohne. Doch Experten zufolge seien autonome Drohnen mit verlässlicher Moralsoftware in den nächsten 20 Jahren unrealistisch. Schade eigentlich: Die Maschine, die uns die Verantwortung abnimmt, wird offenbar nicht so bald erfunden. 

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