Wie die mitfühlende Facebook-Gemeinde Kinderseelen glücklich macht. Tobias Lenartz darüber, wie Kinder die Sozialen Medien nutzen, um Eltern zum Haustierkauf zu überreden.

Wenn ich bloß lange genug nerve, dann hab’ ich bald einen Zoo (Marcel Leitner/bilderleben.at/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0)

Die Haustierfrage ist in vielen Familien hart umkämpft. Die Kinder wollen unbedingt einen vierbeinigen Spielgefährten, die Eltern zweifeln am Verantwortungsbewusstsein ihrer Sprösslinge. Doch die Kinder dieser Welt können bei ihrem Kampf ums Haustier möglicherweise zukünftig auf zahllose Unterstützer bauen: Zwei US-amerikanischen Schwestern ist es soeben gelungen ihre Eltern zum Hund zu bewegen. Indem sich mit ihrem Unterstützungs-Gesuch auf Facebook eine Millionen Likes einsammelten. Ein potentieller Präzedenzfall für innerfamiliäre Grundsatzkonflikte und ein Paradebeispiel für die Erfolgschancen virale Kampagnen rund um Kinder, Tiere und Niedlichkeiten.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Virale Welpen 

Das gute alte Internet wird bekanntermaßen von Niedlichkeiten regiert: Komische Katzen, wollige Welpen und drollige Kinder sorgen schon solo für Begeisterungsstürme und Likelawinen. In Kombination werden sie zur sozial-medialen Wasserstoffbombe. 

Das bewiesen soeben zwei amerikanische Schwestern. Nach dem bedauernswerten Krebstod ihres Hundes wünschten sie sich sehnlichst einen neuen Spielgefährten.

Also verwickelten sie ihren bemitleidenswerten Vater in eine Wette. Würden sie mit ihrem Bitt-Foto eine Millionen Likes auf Facebook ernten, dürften sie ein neues Hündchen in die Arme schließen. 

Die Fusion aus Kindern, Welpen und rührender Geschichte zündete in Rekordzeit. Nach gerade mal sechs Stunden war die Millionenmarke geknackt. In rund 40.000 Kommentaren erteilte die tierliebe Facebookgemeinde dem frommen Wunsch ihren Segen.

Damit hatten die Schwestern ihr Hündchen sicher und einen süßen Präzedenzfall geschaffen:

Scharenweise Trittbrett-Bittsteller versuchen seither ihre Eltern durch sozial-mediale Unterstützung zum heißersehnten Haustier zu nötigen. 

Auf Facebook wird die Welt zur wunderbar unverbindlichen Solidargemeinschaft. Bekennerlikes verpflichten weder zu frühmorgendlichem Gassigehn, noch dazu die Hinterlassenschaften des nicht ganz stubenreinen Hausgefährten aus dem Wohnzimmerteppich zu kratzen. 

Dennoch: Vielleicht sollte man Volksabstimmungen in Zukunft auf Facebook verlegen. Wo sonst lassen sich in Windeseile Heerscharen williger Wähler zusammentreiben? Zumindest wenn es um so fundamentale Menschenrechte geht, wie das auf wollige Welpen

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