Immer mehr Eltern nutzen Facebook-Postings und Tweets, um ihre Kinder noch zu erreichen. Matthias Finger über das Lernen in 140 Zeichen. 

Früher war man wenigstens bei Facebook noch vor den Eltern sicher (Alec Couros/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0)

Wir Menschen können uns umgangssprachliche Facebook-Einträge viel besser merken als Gesichter und Zitate aus Büchern. Aufgrund ihres unkomplizierten Tonfalls eignen sich Posts viel besser für Speicherprozesse im menschlichen Hirn.

Völlig neues Lernen

Die Folgen für die Zukunft des Lernens sind fundamental. Nicht nur, dass wir Schulbücher zukünftig gegen iPads und Smartphones austauschen. Auch Eltern werden sich in den nächsten Jahren auf Twitter und Facebook tummeln, um ihren Nachwuchs überhaupt noch zu erreichen.

 

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Lernen in 140 Zeichen 

 Ruben P war ein faules Biest. Träge vegetierte er nach Schulschluss vor seinem Rechner. Bitten seiner Mutter Irene P., doch im Haushalt zu helfen, ignorierte er gekonnt. Überhaupt scheinen häusliche Pflichten für Jugendliche heutzutage eher einen Empfehlungscharakter zu haben. 

Talentierte Eltern passen sich jedoch modernen Zeiten an. Und sie kommunizieren mit dem Nachwuchs über soziale Netzwerke. Auch wenn diese Anbiederungsversuche herablassend kommentiert werden. Eine Studie bestätigt nun: Bei der digital sozialisierten Nachkommenschaft bleiben Facebookpostings bis zu zweimal mal besser haften als andere Eindrücke. Gründe sind der soziale Kontext und umgangssprachliche Formulierungen. Nicholas Christenfeld von Uni San Diego:

Mittlerweile hilft auch Ruben im Haushalt. Seit seine Mutter öffentliche Kommentare auf seiner Facebookseite hinterlässt. Charmante Hinweise wie „Miste deine Rumpelkammer aus“, „Dein Papierkorb  stinkt“ oder “Geh einkaufen, wenn du was essen willst. “ 

Facebookpostings sind die neue Lerneinheit für den Nachwuchs. Pro Stunde werden etwa 30 Millionen Einträge hochgeladen. Sie lassen sich auch besser merken als Gesichter und steife Lehrbuchtexte. Die logische Konsequenz im globalen Kampf Überlebenskampf: Sämtliche Lehrbuchinhalte müssen umgangssprachlich als Tweets oder auf Facebook gepostet werden. knapp und prägnant. Mit solch innovativen Ansätzen katapultiert sich Deutschland endlich aus dem Kohlenkeller der Pisastudien heraus.

 

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