Im Kampf gegen die angenommene Computerspielsucht ihrer Kinder greifen manche Eltern zu rabiaten Mitteln. Tobias Lenartz über ungewöhnliche Methoden der Spielsucht-Bekämpfung.

Ob beim Online-Killing auch weniger selbstlose Motive eine Rolle spielen? (Ciera Holzenthal/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

Ob und wann stundenlanges Surfen oder Computerspielen zur Sucht wird, sorgt in Medien, Familien wie Expertenkreisen regelmäßig für hitzige Diskussionen. Sehen einige Experten in der exzessiven Internetnutzung ein Symptom psychischer Erkrankungen, etwa von Depressionen, fordern andere die Anerkennung als eigenes Krankheitsbild. Demnach sei Onlinesucht vergleichbar mit andern Verhaltenssüchten wie Glücksspiel, Kaufsucht oder Sexsucht.

Divergente Zahlen für Suchtverhalten

Aber auch hinsichtlich des Ausmaßes der Onlinesucht im Allgemeinen und Computerspielsucht im Besonderen gehen die Befunde stark auseinander. Internationale Studien stufen zwischen 1,6 Prozent und 8,2 Prozent der Internetnutzer als abhängig ein. Laut einer aktuellen, von der Uni-Klinik Mainz durchgeführten Studie zeigen 0,9 Prozent der deutschen Jugendlichen zwischen 14 bis 17 Jahren Suchtverhalten.

Der Grat zwischen Problembewusstsein und Panikmache, Aufklärung und Aktionsimus fällt dabei traditonsgemäß schmal aus. Ein chinesischer Vater griff unlängst zu ebenso ungewöhnlichen wie rabiaten Mitteln, um seinen Sohn von seiner vermeintlichen Computerspielsucht zu kurieren.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Pädagogischer Meuchelmord

Viele Eltern sorgen sich um die Spielgewohnheiten ihrer Sprösslinge. Ist das Daddeln noch zeitintensives Hobby oder bereits Weltflucht mit Suchtcharakter? 

 Sowohl bei Drogenbeauftragten, Selbsthilfegruppen wie Erziehungsberechtigten verläuft die Grenze zwischen Problembewusstsein und Alarmismus gerne mal fließend. 

Sicher ist: Mit allem was Spaß macht kann man prima übertreiben. Das gilt für Zucker wie  für Zocken. Gerade Onlinespiele motivieren zu Zeitexzessen:

Aus eben jener Sorge griff ein chinesischer Vater zu radikalen Mitteln: Er ließ seinen Junior von Auftragskillern um die Ecke bringen. Glücklicherweise bloß virtuell. 

Im Onlinespiel seines Sohnes heuerte Herr Feng ein paar Gamer an. Als virtuelle Assassinen sollten sie ihm den Spielspaß gründlich verderben. Und ihn so dazu motivieren, sich endlich einen Job zu suchen. 

Experten bezweifeln allerdings den Erfolg der Schocktherapie. Schließlich gebe es für Süchte tieferliegende Gründe. Suchtindikator sei nicht die Spieldauer, sondern Kontrollverlust. Wenn man keinen Spaß mehr am Zocken hat, aber trotzdem nicht aufhören kann, Freunde, Schule und Nahrung vernachlässigt, ist es Zeit sich Sorgen zu machen.

Für Eltern, die Aktionismus bevorzugen, bietet das chinesische Vorbild dennoch Potential: Auf virtuellen Jobbörsen könnten Dauerzocker diesen ihre Dienste anbieten. Eine echte Win-Win Situation. Eltern können beruhigt behaupten, ihre Kinder mit allen Mitteln zu retten. Auch die Onlinekiller werden spontan geheilt. Was man beruflich macht, kann schließlich keine Sucht sein.

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