Mit einer Innovationskonferenz im Jemen sollen Klischees widerlegt werden. Ein dialektisches Vorhaben. Matthias Finger über die TED-Konferenz gegen Image-Probleme. 

TED gibts bald auch im Jemen (TEDx Somerville /flickr.com/ CC BY 2.0)

 Zum ersten Mal hat eine TED-Konferenz im Jemen stattgefunden. Unternehmer, Wissenschaftler, Internetaktivisten und ein Kamelspringer haben dort Ideen für eine bessere Zukunft des armen Landes ausgetauscht: Im Jemen gibt es nicht mal richtige Adressen. 95 Prozent aller Staatsbürger haben noch nie einen Brief erhalten. Als Lösung bot sich auf der Konferenz die “natürliche Postleitzahl” an. Generiert wird der zehnstellige Code aus GPS-Koordinaten.

 

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

 

Die TED-Konferenz für Arme 

Walid Alsaqaf kann sie nicht mehr hören. Die Vorurteile gegen sein geliebtes Heimatland: Drohnenkrieg. Al Kaida. Geiselnahme. Der Westen hat sich gegen den Jemen verschworen, glaubt er. Die Verkrustungen in den Köpfen will der Exiljemenit lösen.

Im vornehmen Mövenpick-Hotel der Hauptstadt Sana’a bringt Alsaqaf deshalb die jemenitische Crème de la Crème zusammen. Darunter Taubenzüchter, Tomatenbauern und ein Rekordhalter im Cameljump. Der springt mit einem Satz über sieben Wüstenschiffe. Eine wichtige Kompetenz im Jemen. Mit einer TED-Konferenz wollen sie alle gemeinsam das Imageproblem ihres Landes lösen.

1984 fand die erste TED-Veranstaltung in Kalifornien statt: Technology, Entertainment und Design. In kurzen Vorträgen malen Tüftler, Freaks und Unternehmer rosarote Zukunftsvisionen. Früher hat Sony hier die CD vorgestellt, Apple seine Macintosh-Computer. Die Videos der TED-Konferenzen wurden im Netz schon über eine Milliarde Mal abgerufen.

 Erstmals findet die Hightechveranstaltung im Jemen statt, dem Armenhaus Arabiens. Das ist so aufregend! TED-Chef Chris Anderson wendet sich höchstpersönlich an die Teilnehmer. 

 Allerdings muss eine Videobotschaft reichen: zu gefährlich! Über 200 Menschen wurden in den letzten 15 Jahren im Jemen entführt. auch mit TED-Konferenzen lassen sich hartnäckige Vorurteile nicht immer aus der Welt schaffen.

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