Mit dem ersten Gebäude aus dem 3D-Drucker will ein niederländischer Architekt die Baukunst revolutionieren. Tobias Lenartz über Innovationen historischen Ausmaßes.

Und morgen druck’ ich mir ein Haus (Gabrieel/flickr.com/ CC BY-SA 2.0)

Ohne die von den Etruskern ersonnene und von den Römern perfektionierte Kuppelbauweise hätte es nicht nur das Pantheon nie gegeben. Die Entwicklung von Stahlbetons und Skelettbauweise im 19. Jahrhundert ermöglichte den Wolkenkratzer und die modernen Tempel eines Mies van der Rohe.

Architektur revolutionieren

Die nächste Evolutionsstufe der Baukunst soll nun aus den Niederlanden kommen. Der Architekt Janjaap Ruijssenaars plant das erste Gebäude der Welt aus dem 3D-Drucker. Die vom italienischen Erfinder Enrico Dini entwickelte Technik, soll eine bislang unrealisierbare Formensprache ermöglichen.

 

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Gedruckte Häuser

Als omnipotente Allesausdrucker wurden sie gefeiert. 3D-Drucker sollten die nächste industrielle Revolution anschieben und mindestens die Weltformel reproduzieren. Doch was hinten rauskam war allzumeist bloß brüchiges Plastik.

Die Vision von der Heimfabrik für Jeden inklusive Demokratisierung der Produktionsbedingungen und Abschaffung des Kapitalismus erscheint bislang doch noch recht zukunftsmusikalisch. 

Aber in der industriellen Anwendung sind 3-Drucker längst dem Plastikspielzeugalter entwachsen. Prototypen von Produktdesignern, Zahnkronen oder Flugzeugteile kommen bereits aus dem Printer. 

Die Verwirklichung der druckbaren Träume erreicht jetzt die nächste konstruktive Phase. Ein niederländischer Architekt plant gerade das welterste Gebäude aus dem Drucker.  

Janjaap Ruijssenaars will sein  „Landscape-House“ mit dem sogenannten D-Shape eines italienischen Erfinders verwirklichen. Weil ein ganzes Gebäude noch nicht in den Drucker passt, wird das Haus in Teilstücke von 9 Metern Länge und 6 Meter Breite zerlegt und vor Ort zusammengesetzt. Gedruckt wird die Grundform, die dann mit Glasfaserbeton ausgegossen wird. 

Konsequent gibt sich das „Landscape-Haus“ auch architektonisch visionär: Orientiert am guten alten Möbius Band werden Treppen zu Fußböden, Fußböden zu Decken, Innen und Außen, Oben und Unten gehen ununterscheidbar ineinander über. Ausgedruckte Unendlichkeit orientiert an der Grenzenlosigkeit der Naturlandschaft. 

2014 solls übrigens losgehn. Die geplante Bauzeit liegt bei eineinhalb Jahren. Mögen den Architekturvisionären die Druckerpatronen bis dahin niemals leer werden.

 
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