Der Rechtsstreit um das neue Reiseportal von Wikimedia gefährdet die Akzeptanz freier Lizenzen. Stefan Mey über die Grenzen digitaler Freiheit. 

Die Deutschen sind auch weiterhin Reise-Weltmeister…(Patrick M. Loeff/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

Seit Mitte Januar hat die Wikimedia-Familie ein neues Schwesterprojekt. Der freie Reiseführer Wikivoyage soll eine Branche aufmischen, die ansonsten fast völlig kommerzialisiert ist. Das neue Projekt ist aber sehr umstritten.

Legale Kopie

Wikivoyage ist ein Fork, eine legale Kopie des freien, kommerziellen PortalsWikitravel. Die Mutterfirma Internet Brands ist nicht begeistert von der Konkurrenz durch die Wikimedia Foundation. Die beiden Organisationenstreiten sich vor Gericht.

Als Fehler erwiesen

Der Fall zeigt die Grenzen freier Lizenzen auf, denn für Internet Brands hat sich die Verwendung der Lizenzen im Nachhinein als großer Fehler erwiesen.

 

 

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

 Freie Inhalte oder freie Geschäfte?

Jaja, dieses Gefasel über die Unübersichtlichkeit in der postmodernen Welt. Manchmal sind doch die Verhältnisse klar wie die berühmte Klosbrühe.

Wir präsentieren den ultimativen Kampf: Gut gegen Böse. Es geht um zwei sehr ähnliche Portale: Wikivoyage und Wikitravel. Beide sammeln freie Reiseinhalte, nutzen freie Lizenzen und die gleiche Software. Der feine Unterschied: Wikivoyage gehört zu den Guten, der Wikimedia-Foundation.

Das ist bekanntermaßen die Mutter der allwissenden Online-Enzyklopädie Wikipedia. Wikitravel dagegen gehört den Bösen. Einer Company namens Internetbrains. Die kommerziell ist und Werbung schaltet. 

Wikivoyage war Mitte Januar offiziell in die kuschelige Wikimedia-Familie aufgenommen worden. Der Firma Internetbrains gefiel das wiederum gar nicht. Der Grund: Einen großen Teil der Wikivoyage-Inhalte hatte die Foundation vom kommerziellen Reiseportal kopiert und ein Teil der Community kam auch gleich mit.

Die Company war dementsprechend stinksauer. Sie klagte gegen Nutzer, die bei der Community für den Wechsel getrommelt hatten. 

Und die Wikimedia-Foundation? Die klagte wiederum gegen die Internetbrains. Ein erstes tragisches Opfer des Krieges in der Wikiwelt ist schon jetzt zu beklagen. Der Glaube an freie Lizenzen, heiliger Gral in Digitalien. Für die Firma Internetbrains haben sich die Lizenzen als Teufelszeug erwiesen. 

Die Firma musste machtlos zusehen, wie die Stiftung ganz legal alle freien Inhalte von ihrem Projekt klonte. Doch eigentlich sollten freie Lizenzen allen Beteiligten nützen und niemand sollte es hinterher bereuen müssen. Sonst hakt logischerweise das gesamte Konzept. 

Schlechte Nachrichten also für die Fans einfacher Wahrheiten. Es gibt sie eben doch, diese verflixte postmoderne Unübersichtlichkeit.

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