Warum Fotonachrichten mit Selbstzerstörungsmodus unter jugendlichen Usern zum Superhype werden. Tobias Lenartz über Fotos im Smartphone-Zeitalter.

Selbstzerstörung eingeleitet (Rasdak Rodriguez/flickr.com/CC BY-NC-NC 2.0)

Die Dauerhaftigkeit digitaler Datenspeicher ist eine ambivalente Sache. Das durfte der US-Kongressabgeordnete Anthony Weiner erfahren, als er sich 2011 mit unzweideutigen Twitterfotos um Amt und Würden brachte. Heutzutage hätte er Skandal und Karriereknick möglicherweise vermeiden können. Denn über Anbieter wie Burn Note kann man Nachrichten verschicken, die sich nach wenigen Sekunden selbstständig löschen.

Snapchat

Mit der Smartphone App Snapchat entwickelt sich das Agentenprinzip gerade zum Superhype. Abertausende überwiegend US-amerikanische Teenager schicken sich täglich Fotonachrichten im Selbstzerstörungsmodus. Von Eltern als Sexting-Tool mit Sicherheitslücken beargwöhnt, hat der rasante Erfolg der kleinen App Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen.

Nachmacher Facebook

Um nicht wie bei Instagram ein ausgewachsenes Startup für Milliarden-Summen aufkaufen zu müssen, machte Mark Zuckerberg den schnellen Gegenangriff zur Chefsache. Innerhalb weniger Wochen warf Facebook den Snapchat Klon Pokeauf den Markt – mit bislang desaströser Resonanz.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 


Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Flüchtige Fotos

 

Ob Buch, Video oder Celluloid: An analogen Speichermedien nagte traditionell der Zahn der Zeit. Unsere digitale Gegenwart macht dagegen auf Ewigkeit

 

Bis jetzt. Denn die Smartphone-App Snapchat setzt aufs Einwegprinzip: Alle Nachrichten zerstören sich innerhalb von 5  Sekunden selbst.

 

Mit Snapchat kann man Fotonachrichten verschicken, die sich binnen Sekunden selbst zerstören. Was klingt wie eine Spielerei für die Kaffepause, wurde unter jugendlichen Usern in kürzester Zeit zum Burner. 50 Millionen Mission-Impossible Botschaften senden sie täglich – und machen damit ihre Eltern nervös: Beglückt sich die Jugend per Snapchat etwa vor allem mit Schnappschüssen der eigenen Anatomie?

 

Dabei ist die Wiederentdeckung der Endlichkeit eindeutiger Indikator gewachsener Medienkompetenz: Mit pikanten Posen, peinlichen Partybildern oder debilen Grimassen kann man immer noch beeindrucken. Ohne sie ungewollt mit sämtlichen Schulkameraden, potentiellen Arbeitgebern und der globalen Netzgemeinde zu teilen.

 

Auch Facebook versucht den Hype zu bedienen. In Rekordzeit ließ Zuckerberg den Snapchat Klon Poke programmieren. Doch die Nachfrage blieb eher unterirdisch.

 

Die Kids wollen sexy Snapchat offenbar nicht gegen Produkte des prüden Social-Media Riesen tauschen. Und können nicht glauben, dass die Datenkrake die intimen Nachrichten nicht doch in ihren Rechenzentren verewigt.

 

Doch auch Snapchats Libertinage 2.0 hat einen Haken. Trotz diverser Sicherheitsmaßnahmen: Fiese falsche Freunde können die Einwegfotos etwa einfach mit dem Zweitsmartphone abfotographieren.

 

Die gute alte Endlichkeit bleibt im digitalen Jahrtausend also nach wie vor Utopie.

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