Ein deutsches Startup entlohnt fürs Schauen von Film-Trailern – und will damit User und Verleihfirmen gleichermaßen glücklich machen. Tobias Lenartz über das neue Flimmer-Geschäftsmodell.

So einfach kann Geldverdienen sein… (Karl-Ludwig G. Poggemann/flickr.com/ CC BY 2.0)

Die Frage nach der Monetarisierung des Internets beschäftigt bekanntermaßen nicht nur große Verlagshäuser: Googelt man “Earn money Online“ erhält man 500 Millionen garantiert gewinnbringende Treffer.

Paid to Surf

In der Dotcom-Ära galt Paid-to-Surf als heißester Scheiß. Geld-gegen-Aufmerksamkeit sollte man beim Beklicken von Werbebannern verdienen. Da die meist dubiosen Startups eher spärlich zahlten und die User sich statt für die beworbenen Produkte vornehmlich für das Geld interessierten, verschwand Paid-to-Surf mit dem Platzen der Dotcom-Blasen in der Versenkung.

Geld fürs Gucken

Das deutsche Startup Flimmer will das Geschäftsmodell jetzt wiederbeleben. Fürs Gucken von Film-Trailern erhalten User hier ein Guthaben, das sie in Kinokarten oder DVDs investieren können. Gegründet von Regisseur Marco Kreuzpaitner und teilfinanziert von Roland Emmerich, verfügt das Startup über gute Branchenkontakte. Die vollmundig versprochene Win-Win-Situation für filmaffine User und Verleihfirmen, erscheint dennoch recht fragwürdig.

 

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

 

Cinephile Clickworker

 

Seit den Anfängen des WWW suchen Menschen im Internet nach grenzenlosem Wissen, sexueller Aufklärung und vor allem nach: Money

 

Jene oftmals enttäuschte Verheißung will ein deutsches Startup jetzt endlich einlösen. Flimmer.de entlohnt fürs Gucken von Kinotrailern. 

 

Die Idee dahinter: User wollen Trailer ohne vorgeschaltete Werbung. Filmfirmen wollen unsere volle Aufmerksamkeit. Also gibt’s fürs Beantworten einer Frage zum Trailer bis zu 10 Cent. Das derart erguckte Guthaben kann man in DVDs oder Kinokarten investieren.

 

Laut dem Geschäftsführer einer kooperierenden Kinokette: Eine absolut geile Idee.

 

Zumindest wenn man ein bisschen Zeit übrig hat. Für eine Kinokarte a sieben Euro guckt man 70 Trailer. Stundenlohn zwei Euro achtzig. Phänomenal.

 

Die Macher motivieren auch die menschliche Mitteilungsfreude. In social-medialen Zeiten ist jeder User schließlich ein potenter Multiplikator. Fürs sharen der Trailer gibt’s Statuspunkte.  Gamification lässt grüßen. Bringt man es bis zum höchsten Rang, gibts die Kinokarten noch günstiger. Dafür muss man bloß 300 Freunde anwerben oder 1500 Trailer posten. Dann ist man entweder „Meinungsmacher“ oder ein menschlicher Spam-Bot mit leerer Freundesliste. 

 

Damit sich das für Flimmer rechnet und für die Verleihfirmen attraktiv bleibt, müssen Scharen kinoaffiner User von Youtube und Konsorten herüberströmen. Schließlich will man durch das Angebot auch zu legalem Filmkonsum etwa via Video-on-Demand animieren.

 

Möglicherweise bleiben es aber bloß eine handvoll kleingeldsammelnde Kampfklicker, die sich beim mühsamem Clickworking dazu inspirieren lassen, welches filmische Meisterwerk sie heute Abend gucken. Nebenan. Auf der einschlägigen Streaming-Plattform.

 

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