Genau wie die USA und Großbritannien hat nun auch die EU ein Open-Data-Portal. Matthias Finger philosophiert im Netzreporter über Sinn und Zweck des neuen Daten-Pools. 

Wie gut das Portal bisher bei den Europäern ankommt ist nicht bekannt… (Monica Müller /flickr.com/ CC BY NC-ND 2.0)

Endlich hat sie es geschafft: Die EU verfügt seit Weihnachten über ein Datenportal. Still und heimlich ging eine Betaversion online: Der Datenschatz darin macht unser europäisches Zusammenleben nachvollziehbar. Entwickler finden hier reichlich Stoff für neue Anwendungen. Bis an ihr Lebensende! Fragt sich nur noch, wie diese riesige Datenmenge halbwegs sinnvoll ausgelesen werden kann.

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 
Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

 

Die vereinigten Daten von Europa

Es gibt 92 Millionen Kühe in (ganz) Europa. Und Italien ist Spitzenreiter bei  den Banküberfällen – mit 3000 Stück. Pro Jahr. Appprogrammierer Alexander P. hat Tränen in den Augen: Unerwartet ist er auf diesen Datenschatz gestoßen:  Klammheimlich hat die europäische Kommission  ihr Datenportal online gestellt. Am Heiligabend. Die offizielle Zeremonie folgt erst jetzt. Im Januar. 

 

Deutsche Geheimniskrämerei hat ein Open-Data-Portal hierzulande bisher verhindert. England und Österreich, beispielsweise, stellen Daten der öffentlichen Hand bereits ins Netz. Die Menschen haben mit ihren Steuern dafür bezahlt. Deshalb sollten die Daten auch für sie genutzt werden. Für die Parkplatzsuche. Für eine Visualisierung des EU-Budgets. Und für Echtzeitdarstellungen des öffentlichen Nahverkehrs. Damit wir nie wieder zum Bus hetzen, obwohl der Verspätung hat. 

 

Open data gibt es jetzt im Überfluss. Knapp 6000 Datensätze hat die EU im Netz bereitgestellt: Wetter- und  Geodaten, Statistiken, digitalisierte Bücher. Allesamt von europäischen Institutionen  in (kleinteiligen) Sammelwut zusammengetragen. Danach haben vier Prozent aller Haushalte in der EU noch kein Klo mit Wasserspülung. Und in Belgien gibt es 17000 Krankenhausbetten für Psychiatrische Pflege. Mhhh. Als App-Entwickler muss sich Alexander P.  nur noch sinnvolle Anwendungen ausdenken – für den ganzen  Datenwust. Mmh. Menschen mit angesagten Trendberufen habens auch nicht immer leicht. 

 

Weitere Informationen und Links zum NETZ.REPORTER bei Facebook und Twitter.