Es ist ein bekanntes Phänomen: Eigentlich weiß ja jeder, dass Serienhelden wie J.R. Ewing aus Dallas sich nicht die Bohne dafür interessieren, dass wir sie grade vor dem Fernseher anhimmeln. Und trotzdem. Ein kleines Stimmchen in unserem Kopf beginnt ungefragt, eine persönliche Beziehung zu den Charakteren auf dem Bildschirm aufzubauen. Und damit nicht genug: Neuerdings sorgt auch die Apple-Spracherkennungssoftware Siri für Herzklopfen.

Nicht nur in Liebesangelegenheiten nimmt Siri kein Blatt vor den Mund (Javier Soto/flickr.com/ CC BY-NC 2.0)

Denn im Gegensatz zu den Serienhelden auf dem Bildschirm beantwortet Siri auf Knopfdruck all unsere Fragen. Das macht die Dame mit der kühlen Computerstimme schlagartig interessant. Denn aus dem Anhimmeln aus der Ferne wird eine Beziehung auf Augenhöhe. Und an Schlagfertigkeit mangelt es der virtuellen Assistentin keinesfalls.

So ist es nicht weiter erstaunlich, dass viele Handy-Nutzer eine persönliche Bindung zu ihrer Spracherkennungs-Software aufbauen. Denn Siri kennt sich nicht nur im Fußball oder bei technischen Fragen aus, sondern hält auch in Liebesdingen immer einen guten, oder zumindest unterhaltsamen Ratschlag bereit.

 

Den Audio-Player mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten. 

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

 

Verliebt in Siri

Fernsehkritiker wunderten sich schon immer über ein seltsames Phänomen: Zuschauer leiden und lieben mit Figuren auf dem Bildschirm –  

 

Und das, obwohl sie wissen, dass die nicht echt sind. Schön blöd. Dabei nahmen die Fernsehfiguren von den Zuschauern noch nicht einmal Notiz. 

 

Das ist heute anders. Siri zum Beispiel, die Stimme auf dem iPhone, antwortet auf alle Fragen. Sie ist hilfreich, wenn man etwa nach dem Shrimps-Restaurant in der Nähe sucht. Sie kann aber auch witzig, kauzig und schnippisch sein. 

 

Eine Marktforschungs-Studie will jetzt herausgefunden haben, dass viele Leute in ihrem virtuellen Assistenten so etwas wie einen guten Freund sehen. Die Mehrheit aller befragten Handy-Nutzer spricht von einer persönlichen Beziehung zu Siri und Co. Der ideale virtuelle Assistent soll für sie sachlich sein. Für nicht wenige soll er aber witzig sein und ein bisschen sexy. 

 

Siri schwankt stets zwischen Sachlichkeit, Humor und Anzüglichkeit. Ein Youtube-Nutzer hat das dokumentiert: Auf die Frage „zu mir oder zu dir“ kommt: „Ich bin Siri, immer zu deinen Diensten.“ Auf „Ich liebe dich“ hingegen: „Das ist nett. Können wir jetzt weiterarbeiten?“ 

 

Der Informatiker Joseph Weitzenbaum hatte in den 60er Jahren ein erstes, textbasiertes Programm geschrieben, dass Konversationen mit Menschen führen konnte. Er wurde bald zum scharfen Kritiker künstlicher Intelligenz. Er hatte gemerkt: Menschen fühlen sich einem virtuellen Gegenüber auch dann verbunden, wenn sie wissen, dass der nur aus Nullen und Einsen besteht. 

 

Wissen schützt vor Dummheit nicht. Und das erschreckende ist: damals gab es Siri noch gar nicht.

 

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